Beleuchtete Tiny Houses in der Nacht.

Klein, aber wow: nachhaltige Mikro-Häuser

Tiny Houses mit minimalem CO2-Ausstoß, die uns ein Leben lang begleiten und mitwachsen – gibt es das? Die Antwort heißt „FL2“, ein modular kombinierbares Cabin House in Massivholz-Bauweise aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

TEXT Gerd Giesler

Schwarz-Weiß-Bild von Maximilian Eule.

Maximilian Eule ist Schreiner, Designer sowie Gründer und Geschäftsführer von mlab.design.

Die Zukunft des Wohnens fängt in Ericeira an. Ericeira, ein ehemaliger Fischerort, 50 Kilometer vor Lissabon, 4 Kilometer Strand, 7 Weltklasse-Wellen, einst Trainingscamp der Elitesportler, heute einer der beliebtesten Surfspots Europas.

Hier ist man Teil einer großen Familie, die drei Dinge eint: die Lust am Surfen, Chillen und Nachtleben. Vielleicht wurde die Idee sogar auf dem Surfbrett geboren. Zumindest hat sie viel zu tun mit dem, was heute für viele Workaholics Luxus ist: Verve, Lebensgefühl, große Freiheit.

Max, im lässigen Hoodie, Dreitagebart, gebräunter Surfer-Teint, schiebt sich eine blonde Strähne aus dem bildschirmfüllenden Gesicht auf dem Laptop. Videocall München -Portugal. Interviewtermin mit dem CEO von MLAB: „FL1 (Future Living 1, Anm.d.R.) das war nicht nur der Prototyp, das war unser Raum-Schiff.“ Seine Augen leuchten. „Aus dieser tollen Idee sollte etwas wachsen. Ein anderes Leben, das war unser Ziel.“

Tiny House aus einer Kabine

Das war vor dreieinhalb Jahren. Damals war Maximilian Eule 28 Jahre alt, BWL-Studienabbrecher, gelernter Zimmerer, 3D-Designer, verliebt. „Eine Villa war nicht drin und so versuchte ich ohne Qualitätsverlust die Immobilienfrage runter zu brechen auf etwas, das ich mir leisten konnte. Zuerst habe ich mit Schiffscontainern experimentiert und dann so eine Kabine hemdsärmelig im Alleingang zusammengezimmert. Ich habe auf den Rat einiger Schreinerkollegen vertraut und festgestellt, dass die Vollholzbauweise zwar viele Fehler verzeiht, dass man aber tiefer ins Thema einsteigen muss, wenn ein Meisterstück daraus werden soll.“

Der Traum vom anderen Leben in Ericeira platzte. Die Freundin kehrte mit der gemeinsamen zweijährigen Tochter wieder zurück nach Deutschland. Die Geschäftsidee blieb. Mittlerweile steht vor dem „Future Living“ eine stolze 2 für Serienreife – 42 Monate Erfahrung, ein gewachsenes Knowhow aus Handwerkskunst, Bauphysik und Ingenieurwesen, eingebracht als wertvollstes Gut in die MLAB GmbH.

  • Junger Mann auf der Couch in einem Tiny House.
  • Drei begrünte Tiny Houses.

Gesundes Raumklima, barrierefreie Grundrisse

Egal, ob stylisches Ferienhaus, Ein-Personen-Haushalt oder Mehrgenerationen-Projekt, mit dem FL2 lassen sich Wohnlösungen von 10 bis über 100 Quadratmeter Grundfläche gestalten. Dabei sieht das FL2 inmitten freier Natur genauso elegant aus wie in einer Baulücke in der City. Das Kabinenhaus ist stapelbar und kann auf allen Ebenen flexibel erweitert oder zurückgebaut werden. So soll es sich auch als Modul für den Garten eignen, als Ergänzung zu bestehenden Bauten, etwa als Home Office, Gästezimmer oder Spielzimmer.

Benötigt wird nach den geltenden Bauverordnungen nur eine 150 Quadratmeter große Parzelle. Und da das Cabin House auf Stelzen steht kann es auch nach Jahren wieder versetzt werden, ohne Schäden an Grund und Boden zu hinterlassen. Es bedarf also nicht unbedingt eines eigenen Grundstücks – ein Stück Land zu pachten, das über Strom- und Wasseranschlüsse verfügt und die baurechtlichen Voraussetzungen erfüllt ist laut MLAB eine realistische Option.

Ökologisch leben im Container

Aber ist die Idee wirklich so neu, oder nicht vielmehr ein Zwitter aus dem romantisch-ideologisch verklärten Tiny House on Wheels, mit dem die Hippies in den wilden 60er Jahren durch Big Sur tingelten und einem alpenländischen Austraghaus für den Altbauern nach Übergabe seines Hofes an den ältesten Sohn?

Max winkt ab. „Aus guten Gründen haben wir bewusst darauf verzichtet, das FL2 auf Räder zu stellen. Zum einen gewinnen wir dadurch an Freiheit, was Gewicht und Maße unseres Gebäudekorpus betrifft. Zum anderen sparen wir uns TÜV und den Wertverlust des Fahrzeugs.

Denn Wertverlust passt nicht ins Konzept des FL2. Es ist darauf ausgelegt, seinen Bewohnern über mehrere Generationen hinweg als hochwertiger, gesunder und geliebter Wohnraum zu dienen. Mit bis zu 150 Jahren übertrifft es die Lebensdauer eines Tiny Houses on Wheels um ein Mehrfaches und hält in seiner Beständigkeit mit jahrhundertealten Bauernhäusern mit.“

nachhaltige

Mikro-Häuser

Grün bewachsenes Tiny House.
Tiny House am Strand.
Innenraum eines Tiny Houses.
Beleuchtetes Tiny House am nächtlichen Strand.

Preisgünstige Alternative zur Eigentumswohnung

Das FL2 Basisprodukt beginnt bei 33 Quadratmeter und ist in der doppelstöckigen Variante 66 Quadratmeter groß. „Rein theoretisch ist der Größe kein Limit gesetzt, weil wir die Module barrierefrei untereinander verbinden können, was wiederum den Community-Gedanken unterstützt.“

Das FL2 Premium-Modul für 140.000 Euro verfügt über eine vollausgestattete Küche mit einem Essbereich für 3 bis 6 Personen, ein Doppelbett (180 x 200 cm), ein Gästebett, Lounge-Sofabereich, ein geräumiges Bad, eine Badewanne viel Stauraum und eine intelligente Heizung bzw. Kühlung.

„Dabei sorgt“, so die Homepage „der 10 Zentimeter dicke Vollholz-Korpus für ein einzigartiges und gesundes Raumklima – ganz gleich zu welcher Jahreszeit“. Aufgrund der ökologischen Richtwerte ist das FL2 KfW-förderwürdig, was bis zu 30.000 Euro Zuschuss bringt und die Investition auf 110.000 Euro reduziert.

Häuser für alle

„Die avisierte Kundenschicht ist nicht nur kaufkräftig, sondern auch breit gestreut“, schwärmt Max. Sowohl ältere Ehepaare oder Singles, denen das Eigenheim zu groß geworden ist und die sich auf hohem Niveau barrierefrei verkleinern möchten, als auch junge Leute zwischen 30 und 40, die sich in den Ballungszentren kein Familienhaus leisten können und die auf Nachhaltigkeit schielen. Oder ehemalige digitale Nomaden, die sesshaft wurden und mit einer kleinen Scholle in den neuen Bundesländern liebäugeln.

Ein FL2 Modul bindet 6 Tonnen CO-2

Hinter MLAB steckt ein 9-köpfiges Team aus Kreativen, Theoretikern, Handwerkern und Akademikern und selbst Vater Andreas Eule ist als Rechtsanwalt für Beratung und Behördenfragen mit an Bord. Die Firma verfügt über eine Fertigungshalle bei Nürnberg. Das Fichtenholz bezieht sie von Andreas Reßle aus Peiting im Allgäu, der wie sein Vater und Großvater vor ihm mit großer Sorgfalt und kritischem Blick darauf achtet, das von der Planke bis zu den Sägespänen 99,9 Prozent des Holzes verwertet wird.

„Auch bei der Konzeption der FL2 Korpen achten wir darauf, dass möglichst wenig Verschnitt anfällt und die Massivholzwände präzise und millimetergenau mit modernster Frästechnik bearbeitet werden“, so der Jungunternehmer. Auch wenn der Businessplan für die nächsten drei Jahre vorsieht, dass bis zu 6 FL2 pro Monat Häuser gefertigt und aufgestellt werden können, so möchte Max lieber organisch wachsen mit Kunden vorzugsweise aus der DACH-Region.

REDUZIERUNG AUF’S WESENTLICHE

Seinen Ursprung hat die Small House – Bewegung in den USA, wobei es zwischen „tiny“, „micro“ und „small“ keine Trennschärfe gibt und sich die Bewegung in Deutschland in Richtung nachhaltig sinnvollen Wohnens entwickelt. Einziger Nachteil: Die bauliche Zulassung hierzulande ist abhängig von der Nutzungsart und wird je nach Gemeinde unterschiedlich gehandhabt, wird aber in der Regel für Wohnsiedlungen, Mischgebiete und Flächen für Ferien-und Wochenendhäuser erteilt.

Neugierig geworden wie es sich in einem Mikrohaus lebt? mlab.design bietet in den kommenden Monaten drei Webinare an: https://mlab.design/webinar

Investoren gesucht

Das unschlagbar Sympathische an Max: er spricht voller Liebe über seine Firma und „dass auch noch so einiges mit Sicherheit optimiert werden kann“. Auf Startup-typische Schlagworte wie: Customer Experience, Stakeholder Value oder Investorenkapital verzichtet er bescheiden. Seine Ideen müssen auch nicht disruptiv sein und um Anleger anzulocken, will er keine Zahlen ins rechte Licht rücken, auch wenn er gerade jetzt nach Investoren sucht.

Max möchte den Bekanntheitsgrad der Marke MLAB steigern. „Eigentlich kennt uns niemand so richtig, weil wir bisher keinen Cent ins Marketing gesteckt haben.“ Und weiter: „Daher interessieren sich auch keine Private Equity Heuschrecken, sondern eher Freigeister für uns, die das einfach gut finden, was wir machen.“ Sein größtes Manko: noch fehlt das Musterhaus, das so wichtig ist, damit potentielle Kunden die Qualität anfassen können, spüren und sich auf Anhieb geborgen fühlen.

Future Living

Aber auch da ist Abhilfe in Sicht. So plant der Besitzer einer Privatschule gerade einen Co-Working-Space, den er aus M-Lab-Modulen auf seinem Grundstück am Ammersee als Alternative zum Home-Office-Modell errichten will. „Das ist ein verwunschenes Grundstück mit uraltem Baumbestand und historischen Gebäuden, allemal besser, als sich in einem Gewerbegebiet zwischen Burger King und Fitness-Gym zu präsentieren“.

Momentan genießt Max die Nähe zum Töchterchen und pendelt wie ein Handlungsreisender zwischen München, dem Allgäu, Nürnberg und Portugal hin und her, weiß noch nicht so genau, wo er sich endgültig niederlassen soll. Endgültig?

Aber genau darin liegt ja der unschlagbare Vorteil von Future Living. Im Nu lässt sich ein FL2 Modul zerlegt auf einen Sondertransport packen und über die Straße von Bayern nach Ericeira bringen.

Zum surfen, chillen und anders leben.

Fotos: mlab.design

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