Heller, moderner Spielraum mit Spielzeug, Pflanzen und kindgerechter Einrichtung

SOS-Kinderdorf Hamburg: Hafen für Familien

Die Not wächst: Immer mehr Kinder und Jugendliche können nicht bei ihren Eltern groß werden. Für manche ist das SOS-Kinderdorf in Hamburg ein neues Zuhause. Und eine Anlaufstelle für alle, die Fragen bei Sorgen und Schwierigkeiten in der Familie haben.

Hier erfahren Sie mehr über

  • Die Angebote im Familienzentrum Dulsberg
  • Wirksamen Kinderschutz
  • Das Leben in SOS-Kinderdorffamilien

 

Text Antoinette Schmelter-Kaiser

Schwarz-weiss Porträt von Torsten Rebbe

Torsten Rebbe ist Diplom-Pädagoge und arbeitete zunächst in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, in der Betreuung von Menschen mit Behinderung sowie in den Ambulanten Hilfen von SOS-Kinderdorf e.V.. Seit 2013 ist er Einrichtungsleiter von SOS-Kinderdorf Hamburg.

Den Hafen kennt jeder in der Hansestadt, doch es gibt weitere wichtige Orte, um vor Anker zu gehen. In Hamburg-Dulsberg ist das seit zwei Jahren der „Hafen für Familien“. Dieser Name steht in Leuchtschrift an der Fassade eines modernen Gebäudes am Straßburger Platz. Und darüber in großen, grünen Buchstaben „SOS-Kinderdorf Hamburg“.

Der Begriff „Hafen für Familien“ ist bewusst gewählt, das verglaste Erdgeschoss ebenfalls. „Wir sind für alle da, wollen einen niedrigschwelligen Zugang bieten“, erklärt Einrichtungsleiter Torsten Rebbe.

Glasfassade des SOS-Kinderdorfs Hamburg mit reflektierten Gebäuden und Schriftzug

Viel Potenzial für Kinderschutz-Probleme

„Dulsberg ist ein Standort, der das gebrauchen kann“, so Torsten Rebbe weiter. „Hier sind 44 Prozent der Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren alleinerziehend, 75 Prozent der Minderjährigen haben einen Migrationshintergrund“ – viel Potenzial für Probleme in einem Viertel, wo in den 1920er Jahren viele Mehrfamilienhäuser aus Rotklinker für Arbeiterfamilien gebaut wurden.

Um Krisen vorzubeugen, unterstützt das SOS-Kinderdorf-Team der Familien-Frühsorge werdende Eltern von Beginn der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr. Haben Mütter und Väter danach Fragen, Sorgen oder Schwierigkeiten, können sie sich im „Hafen für Familien“ von Fachkräften beraten lassen oder Sozialpädagogische Familienhilfe im häuslichen Bereich beantragen.

„Je früher interveniert wird, umso besser“, weiß Torsten Rebbe als Diplom-Pädagoge aus langer Kinderschutz-Erfahrung. „Je älter die Kinder, umso mehr Zeit und Energie muss man investieren, um Veränderungen zu erreichen.“

Möchten Sie Kindern helfen? Werden Sie Zukunftssponsor!

Hier erfahren Sie mehr über die Projekte von SOS-Kinderdorf e.V., zum Beispiel ganz aktuell zum Thema „Elternfürsorge“:

Mehr Informationen

  • Eine Frau in einer orangefarbenen Strickjacke legt den rechten Arm um ein Kleinkind in einem blauen Hemd, das ein Stofftier im Arm hält
  • Eine Frau hält ein fröhlich lächelndes Kinder umarmt

Kinderdorf-Familie als Lösung

Ist ihnen Schlimmes widerfahren, kann das Leben in einer Familie des SOS-Kinderdorf e.V. die Lösung sein. „Da geht es nicht um eine zu dünne Winterjacke oder das falsche Pausenbrot“, erklärt Torsten Rebbe. „Sondern um massiv drogen- und alkoholsüchtige, psychisch kranke oder gewalttätige Eltern. Geben sie uns selbst zu verstehen, dass sie überfordert sind, ist das ein Sechser im Lotto.“
Häufig führten allerdings Hinweise aus Kita, Schule oder von Nachbarn dazu, dass sich das Jugendamt einschalte, die familiäre Situation überprüfe, wegen Kindeswohlgefährdung eine Inobhutnahme anordne und Kinder aus den Familien herausnehme – eine einschneidende Erfahrung. Denn das bedeutet außer der Trennung von den Eltern, die Kinder trotz aller Negativ-Erfahrungen lieben, meist auch den Abschied vom gewohnten sozialen Umfeld.

Einsatz für den Kinderschutz

Weil SOS-Kinderdorf-Schützlinge laut Torsten Rebbe mit einem belastenden „Rucksack“ kommen, brauchen Kinderdorfmütter oder -väter viel Fingerspitzengefühl, Geduld, pädagogisches und psychologisches Know-how.

„Sie sollten der Fels in der Brandung sein“, beschreibt Torsten Rebbe ideale Kandidaten, die eine lange Bewerbungsphase und Qualifizierung durchlaufen. „Außer einer guten Intuition brauchen sie ein großes Herz und Lebenserfahrung. Und sie sollten verkraften, dass es bei ihrem Einsatz für den Kinderschutz keine Trennung zwischen Arbeit- und Privatleben gibt, sie bis auf ihren Urlaub immer im Dienst sind – möglichst eine Generation lang, das heißt rund 15 Jahre.“
Flankiert werden Kinderdorfeltern von Fachkräften, außerdem bekommen sie Fort- und Weiterbildungen und externe Supervision.

Moderner Gemeinschaftsraum mit Sofas, Tischen und Küchenzeile
Spielecke für Kinder in einer Wohnung des SOS-Kinderdorf Hamburg
Esstisch und Küchenzeile in einer Wohnung des SOS-Kinderdorf Hamburg

Drei SOS-Kinderdorf-Familien unter einem Dach

Im SOS-Kinderdorf Hamburg haben 2022 zwei Kinderdorfmütter und ein -vater gleichzeitig drei übereinanderliegende Wohnungen bezogen, wo jeweils vier Kinder ihr eigenes Zimmer haben. Zusätzlich gibt es großzügige Gemeinschaftsbereiche und als Brücke zum Nachbargebäude eine Terrasse für alle Familien, auf der gespielt, gegrillt, gefeiert und Gemüse in großen Hochbeeten angebaut werden kann.

Die Kinder besuchen externe Kitas, Schulen oder Vereine, um die Zugehörigkeit zum örtlichen Umfeld zu fördern. Und sie können an den Musikkursen, der Ferienbetreuung und den Bewegungsangeboten des Familienzentrums nebenan teilnehmen.

Dort gibt es verschiedenste soziale Angebote: unten den Secondhandladen für Kinderkleidung „Klecks“, das preisgünstige Familiencafé „Krümel“ nebst großem Veranstaltungs- und Bewegungsraum und Outdoor-Spielplatz. In den Etagen darüber liegen helle Räume für musikalische Früherziehung, Hausaufgabenhilfe, Spielgruppen, Kreativkurse, Beratung und Bildung, in den obersten Stockwerken sind Büros.

  • Kind schaukelt lachend an einem Seil das an der Decke eines Zimmers hängt
    Spielen und turnen können die Kinder zum Beispiel auf dem Bewegungsdeck
  • Zwei kleine dunkelhaarige Mädchen klettern gemeinsam über ein Kinderholzgerüst in eine Zimmer

Zehn Jahre bis zum Bezug

Mit dieser Kombination ist Torsten Rebbe hochzufrieden. Voraussetzung für sie war, dass ihm die benachbarte Frohbotschaftskirche das Baugrundstück „günstig“ verkaufte. Und dass aus vielen Abstimmungsrunden mit Architekt Carsten Roth ein funktionales Ensemble resultierte, das beim polis Award 2023 den ersten Preis in der Kategorie Soziale Quartiersentwicklung bekam. „Von der Idee bis zum Bezug hat es zehn Jahre gedauert“, resümiert Torsten Rebbe.

Schneller klappte die Umsetzung eines Projekts in der Hafencity: Nach sieben Jahren Planung und Bau konnte hier die Wohngruppe Ankerfamilie 2024 ein halbes Dutzend Kinder zwischen zwei und sechs Jahren aufnehmen. „Auch für sie wollten wir eine SOS-Kinderdorffamilie. Aber weil sich bislang keine Eltern fanden, setzen wir ein Betreuungsteam ein. Morgens und abends können die Kinder aber in die gleichen Augen schauen, um ihnen Stabilität und Kontinuität zu geben.“ Trotz dieser Sonderform gab es 50 Bewerbungen.

Große Not, großer Bedarf

„Die Not und der Bedarf sind als bundesweites Phänomen groß und werden immer größer“, weiß Torsten Rebbe. „Für diesen Anstieg gibt es mehrere Ursachen: Familienverbände lösen sich auf, so dass Väter und Mütter vereinzelter als früher sind. Die Ansprüche, wie Kinder aufwachsen sollten, sind gestiegen, Erziehungswerte haben sich verändert. Und der Reflex der Behörden ist stärker, gefährdete Kinder aus ihren Familien herauszunehmen.“

Das betrifft bereits Babys und reicht bis zur Volljährigkeit; für Heranwachsende gibt es vom SOS-Kinderdorf in Hamburg zwei eigene Jugendhilfe-Wohngruppen, die den Schritt in die Selbstständigkeit vorbereiten. Diese haben Tradition: Mit einer ersten Gruppe „zur Verselbstständigung junger Menschen“ ging das SOS-Kinderdorf Hamburg 1972 an den Start.

  • Heller Essbereich mit langen Tischen und angrenzender Küche
    Für alle: Das Familiencafé Krümel
  • Heller Raum mit grünem Sofa und Holz-Spielgerüst sowie einem kleinen Tisch und kleinen Stühlen für Kinder

Ambulante Familienhilfe, stationäre Kinder- und Jugendhilfe

Insgesamt ist Torsten Rebbe heute an sechs Standorten in vier Stadtteilen für 80 Mitarbeitende zuständig, die mit ambulanter Familienhilfe in Hamburg begleiten oder stationär derzeit 35 Kindern und Jugendlichen ein sicheres Zuhause, Geborgenheit und verlässliche Unterstützung bieten. Monatlich kümmert sich das Team des SOS-Kinderdorfs Hamburg um 3200 Menschen.

Um all das zu stemmen, sucht Torsten Rebbe fortlaufend nach geeigneten Mitarbeitern und Immobilien.

Denn außer Fachpersonal sind Räume, Wohnungen oder Häuser Mangelware, so dass Torsten Rebbe dringend auf mehr passende Angebote hofft. „Ich liebe diese Aufgabe“, sagt der zweifache Familienvater, räumt aber auch ein, dass so viel Verantwortung nicht immer leicht zu schultern ist. 

Wichtige Säulen: Spenden und ehrenamtliche Mitarbeiter

Zu ihr gehört auch die Finanzierung des komplexen Ganzen, die sich zu 79 Prozent aus öffentlichen Mitteln und zu 21 Prozent aus Spenden rekrutiert. „Ohne sie könnten wir unsere Arbeit nicht leisten“, macht er klar. „Zum Glück finden wir immer wieder Unterstützer. Weitere sind willkommen: Jeder zusätzliche Euro Spenden hilft uns, zu helfen.“

Auch auf eine andere Säule möchte er nicht verzichten: Ehrenamtliche. Rund 30 lesen Kindern derzeit vor, basteln mit ihnen, sortieren für „Klecks“ gespendete Kinderkleidung oder arbeiten im Café „Krümel“ mit.
Auch sie unterstützen im SOS-Kinderdorf Hamburg dabei, mit vielfältiger Hilfe für Kinder, Jugendliche, Alleinziehende und Familien die Welt ein bisschen besser zu machen.

Möchten Sie Kindern helfen? Werden Sie Zukunftssponsor!

Hier erfahren Sie mehr über die Projekte von SOS-Kinderdorf e.V.:

Mehr Informationen

Fotos: iStock, SOS-Kinderdorf e.V. / Cathrin-Anja Eichinger

Donner & Reuschel

ECHTE WERTE –
NEWS. IMPULSE. PERSPEKTIVEN.

Mit dem DONNER & REUSCHEL Newsletter „Echte Werte“ erhalten Sie wertvolle Impulse und Tipps rund um Ihre Finanzen.
Verpassen Sie keine aktuellen Themen aus dem Finanzbereich und darüber hinaus.

MELDEN SIE SICH JETZT AN


Newsletter
Abonnieren