Lichtblicke an der Costa de la Luz
Braucht es ein weiteres Hotel an der „Küste des Lichts?“ Ja, sagt unser Autor. Er hat sich umgesehen und einige Besonderheiten entdeckt, z.B. elegante Refugien und kulinarische Genüsse.
Hier erfahren Sie mehr über
- das Hotel Amàre
- den Einfluss von Duft, Kunst und Musik
- Sherry
Text Hans Christian Meiser

Dr. Hans Christian Meiser ist Philosoph und Publizist, zudem Herausgeber und Chefredakteur von PURPOSE, dem Magazin für Sinnhaftigkeit. Dieses Thema zieht sich durch sein gesamtes Werk.
Wie auf einem Farbholzschnitt von Hokusai rollen unter blauem Himmel donnernde Meereswellen an den sandigen Strand. Wir befinden uns aber nicht in Japan, sondern am sechs Kilometer langen Gestade „La Barossa“ in Ciclana de la Frontera, einem Ortsteil von Novo Sancti Petri, jenem Urlaubsort an der Costa de la Luz, der vor allem von Spaniern, Briten und Deutschen gerne besucht wird.
Bezwingt man vom Meer her über einen Holzsteg die Dünen, taucht mit einem Mal ganz in Weiß das neueste Hotel dieser Küstenregion auf: das „Amàre“ der feinen spanischen Hotelgruppe Fuerte, die 1957 von José Luque Manzano in Marbella gegründet wurde und heute über sechs 4*Ferienhotels und eine Appartementanlage verfügt – fast alle befinden sich in Andalusien (eines auf Ibiza).

KÖSTLICHE AUSBLICKE IM HAYACA-RESTAURANT
Als sei es ein elegantes, strahlend weißes Kreuzfahrtschiff, so liegt das Amàre vor einem, und, um das Ganze noch schöner zu machen, schlängeln sich auch noch drei Bahnen des 18-Loch-Sancti Petri Hills-Golfclubs vorbei. Den besten Blick (Südwest) auf die Anlage, den Golfkurs und den Atlantik hat man natürlich von der „Bèlvue“-Rooftop Sektion des Hotels, wo sich ein Pool, diverse Liegen, Loungechairs und vor allem das „Hayaca“-Restaurant befinden.
Dort wird nach dem Konzept des berühmten argentinischen Chefs Mauricio Giovanni gekocht, der in Marbella seit 25 Jahren das Michelin-Stern Restaurant „Messina“ betreibt: eine gelungene Mischung aus den Kochtraditionen Lateinamerikas und des Mittelmeers, die man mittags auch im Amàre-Pool-Restaurant genießen kann.
Sich hier mit Blick auf das Meer Köstlichkeiten wie Thunfisch-Sashimi oder einer interessanten Interpretation des griechischen Bauernsalats hinzugeben, schafft genau das Wohlgefühl, das man in einem Hotel dieser Kategorie (4*) haben sollte.
Die Herdkunst des Meisters gehört freilich nicht zum Halbpensionskonzept des restlichen Hotels und muss extra belohnt werden.

WENIGER IST MEHR
Der (optische) Genuss setzt sich in den Zimmern fort, die, obwohl sie schlicht gehalten sind, durch ihre weißblaue Farbgebung ein wunderbares Urlaubsfeeling vermitteln. Zu empfehlen sind die Junior Suiten im zweiten Stock. Denn die Suiten im Erdgeschoss, die sich „Swim out“ nennen, lassen keine Privacy aufkommen, weil sich jeweils zwei nebeneinander liegende Zimmer einen Teil der Plunge-Gelegenheit teilen müssen.
Überhaupt scheint mir, dass es dem Hotel besser getan hätte, statt 352 Zimmer nur die Hälfte zu errichten, denn nun befindet sich die eine Hälfte im Gebäude direkt am Strand, die andere aber schaut auf die Rückseite der ersten. Und gesetzt den Fall, das Haus wäre komplett ausgebucht, müssten sich 704 Personen den zur Verfügung stehenden Raum beim Essen, beim Schwimmen an den drei Pools, beim Sonnenbaden teilen …
Ist natürlich alles möglich, aber ich denke, auch hier wäre weniger mehr, wie z.B. in dem wunderbaren Hotel „Daia“ der Fuerte Gruppe in Conil le la Frontera, das nur 248 Zimmer aufweist – und hier geht alles ziemlich entspannt zu www.purpose-magazin.de/boho-style-in-andalusien.
A MARE UND AMÀRE
Der Hotelname kann bewusst zweifach interpretiert werden, einmal als „am Meer“ seiend, und zum anderen als „lieben“. Beides passt bei einem „Adults only“-Hotel perfekt. Und auch das Konzept, das sich vor allem den Düften (wo immer man sich im Hotel aufhält, es riecht gut), der Kunst (überall wird man von zeitgenössischer spanischer Kunst überrascht), und der Musik verschrieben hat (wo auch immer man ist, die Luft ist von Softbeats erfüllt, die aber nicht stören, im Gegenteil, es gibt sogar eine eigene App und jeden Abend einen anderen DJ auf dem Rooftop).
Dafür verzichtet man bewusst auf klassische Wellness (es gibt keine Saunen, kein Dampfbad etc.), sondern nur eine Innenkabine für Massage und einige Plätze für Outdoortreatments), zumal das Hotel im Winter nicht geöffnet hat.

EXKLUSIV-ERLEBNIS: THE ONE
Es handelt sich bei diesem 30 Millionen Euro teuren Projekt um ein Haus der gehobenen Mittelklasse, das freilich noch höhere Ansprüche zu erfüllen in der Lage ist. Das merkt man schon beim Betreten der grandiosen Lobby, in der man sich wie im Bauch eines Wales fühlt (es gibt dort dort auch tatsächlich ein Wal-Kunstwerk). Ein Stockwerk tiefer befindet sich auch der Zugang zum zubuchbaren Exklusiv-Erlebnis „The One“, wo man den ganzen Tag über auf hohem Niveau Snacks essen und trinken kann, findet, zudem gibt es einige weitere Annehmlichkeiten wie kostenlosen Late Check-out.

INTERESSANTE ANSÄTZE FÜR MEHR NACHHALTIGKEIT
Was die Nachhaltigkeit betrifft, so fiel mir neben der obligatorischen Po-Dusche in den Zimmern noch die Tatsache auf, dass man im „Mare Nostrum,“, dem Frühstücks- und Buffetrestaurant bewusst auf Untertassen für Kaffee oder Tee verzichtet. Ergebnis: weniger Lärm, weniger Geschirr abzuräumen und abzuwaschen.
Speisekarten wie Hotelfacts existieren nicht gedruckt, sondern nur als QR-Code. Und im „Hayaca“ kann das Essen, das nicht vollständig verzehrt wird, in extra dafür geschaffenen Kartons mitgenommen werden.
Interessante Ansätze, die Welt ein wenig zu entlasten. Auch die Schränke in den Zimmern fand ich spannend. Denn sie haben keine durchgehenden Türen, sondern nur je zwei Rahmen, in die Stoff gespannt ist sowie an den Seiten Verstrebungen, welche die Luftzirkulation begünstigen. Hier haben die Inneneinrichter endlich einmal mitgedacht und etwas geschaffen, das nicht nur schön aussieht, sondern auch Sinn macht!

SHERRY, SHERRY LADY
Und so hat die Fuerte Gruppe erneut etwas erbaut, das sicherlich von bleibendem Wert ist – genau wie der alte Sherry, den ich bei einem Ausflug ins ca. 45‘ entfernt gelegene El Puerto de Santa Maria (benannt nach dem Schiff des Christopher Columbus) in der Botega der Familie Guitérrez-Colosia, die seit 1838 Sherry herstellt, verkostete. Für € 35 kann man hier nach dem Besuch des Weinkellers im dazugehörenden Restaurant „Bespoke“ sechs verschiedene Sorten probieren, zu denen jeweils passende Tapas gereicht werden.
Auch wenn in unseren Breitengraden der Apérol Spritz momentan angesagter ist, ein Besuch in der Botega und der Genuss dieses Getränks, das man eher mit älteren britischen Damen assoziiert, ist durchaus lohnend, zumal man etwas erfährt, das an vielen Orten in Vergessenheit zu geraten droht: der feine Geschmack, wie er stellenweise im Amàre Beach Hotel Sancti Petri präsentiert wird. Und da „Sancti Petri“ übersetzt ja „des Heiligen Petrus“ bedeutet, kann man der Fuerte Gruppe für die Zukunft nur „Petri Heil“ wünschen, was angesichts der Tatsache, dass hier einst der Thunfischfang die Lebensgrundlage der Bevölkerung ausmachte, kein frommer Wunsch bleiben soll …
Fotos: Hans Christian Meiser, Amáre Beach Hotel, Verum Hotel Development, Jorge Morales


