SCROLLST DU NOCH?
Oder lebst Du schon? Sie entscheiden! Ein Beitrag über den vernünftigen Umgang mit dem Smartphone mit fünf Gamechangern für mehr Zeit, Präsenz und Selbstbestimmung im digitalen Alltag.
Hier erfahren Sie mehr über
- Lebenszeit und Lebenslust
- Selbstfürsorge
- Die Bildungsinitiative „Smartphone aus – Leben an“
Text Jacob Weizman

Jacob Weizman ist Autor des Buchs „Smartphone aus – Leben an“ und Gründer der gleichnamigen Bildungsinitiative. Nach langjähriger Führungserfahrung in Sales und HR gründete er eine Nachhaltigkeitsorganisation, die den Publikumspreis beim Smart Hero Award 2022 gewann und für den Deutschen Engagementpreis 2023 nominiert war. Heute begleitet er mit seinem 4-Wochen-Programm bundesweit Schulen und Unternehmen auf dem Weg zu einem bewussten und selbstbestimmten Umgang mit digitalen Medien.
Zeit – sie ist für uns alle knapp bemessen. Wir sind atemlos, ruhelos und kommen irgendwie nie an. Was, wenn wir uns selbst jeden Tag eine, zwei oder drei Stunden schenken könnten?
Was, wenn wir in einer Zeit, in der wir vermeintlich so viel müssen und so viel sollen, wieder bei uns selbst ankommen und selbst entscheiden könnten, wo unsere Reise hingeht?
Was, wenn wir uns für einen kurzen Moment von außen betrachten würden und erkennen, dass wir selbstbestimmt statt fremdbestimmt leben können?
In einer Welt, die uns von morgens bis abends mit Informationen zuschüttet, in der wir ständig für alle und jeden erreichbar sind, braucht es Mut, Lebenskraft und eine Entscheidung von innen, um aus diesem Hamsterrad auszusteigen.

Der erste Schritt in ein neues Leben
Dass wir alle irgendwie zu viel am Smartphone sind, wissen wir. Und doch nehmen wir es so hin. Das ist die Passt-Schon-Methode. Doch was bedeutet das wirklich für unser Leben?
Was heißt es, dass wir dem Smartphone mehr Zuneigung, Zuwendung und Aufmerksamkeit schenken als unseren Liebsten und noch viel schlimmer: uns selbst?
In einem „Smartphone aus – Leben an“ Schulworkshop wurde einer 9. Klasse im Wendland folgende Frage gestellt: „Was stört dich im Umgang mit dem Smartphone bei euren Eltern am meisten?“
Die Antwort einer 15-jährigen Schülerin war die folgende: „Meine Mutter nimmt mich nicht wahr. Ich spreche mit ihr und sie antwortet nicht. Ich fühle mich alleine gelassen.“
Es ist leicht, das Thema „gesunder Umgang mit dem Smartphone“ auf die Jugend abzutun. Doch es ist genauso unfair und ungerechtfertigt. Klar, Jugendliche sind zu viel am Handy, keine Frage, aber Eltern und Erwachsene genauso.
Wir spüren, dass es uns besser tut, eine Stunde Sport zu machen, mit unseren Liebsten zu verbringen, in der Natur zu sein. Auf der anderen Seite empfinden wir es als ermüdend, energieraubend und anstrengend, alle 5 bis 10 Minuten aufs Handy zu schauen. Und doch entscheiden wir uns (aktuell) fast immer für den mittlerweile automatischen Griff ans Smartphone.

Die Frage einer Schülerin, die alles auf den Punkt bringt
Die Frage, die wir uns jeden Tag selbst stellen dürfen, ist die, die eine 13-jährige Schülerin in einem Workshop in Dortmund gestellt hat: „Wie schaffe ich es, eine Sache nicht zu tun, bei der ich merke, dass sie mir schadet?“
Viele Jugendliche sind heute derart weit in ihrem Denken und ihrer Empfindung. Sie sind klug, informiert, bewusst und selbstreflektiert und doch benötigen sie, ebenso wie Erwachsene, Unterstützung beim ersten Schritt heraus aus der Smartphone-Falle.
Die gute Nachricht ist: Es braucht keine Radikalkur. Keine Verbote. Keine Verteufelung des Smartphones. Keine Angst vor dem Fortschritt. Es braucht Bewusstsein und den Mut des ersten Schrittes.
Ein Statement eines von vielen Jugendlichen, Wochen nach dem Besuch des „Smartphone aus – Leben an,“ an seiner Schule: „Hallo Jacob, auch wenn der Workshop schon etwas länger her ist, kann ich mich noch gut an ihn erinnern. Er hat mich realisieren lassen, wie abhängig ich eigentlich von Apps wie TikTok oder Instagram bin. Deswegen habe ich mir als Vorsatz genommen, TikTok zu löschen und Instagram auf 20 Minuten täglich zu begrenzen.“
Dieser Schüler war zuvor, wie viele andere Schüler dieser Klasse, täglich stundenlang auf TikTok und anderen Social-Media-Kanälen unterwegs.
Veränderung ist möglich, sie entsteht dann, wenn uns etwas bewusst wird, und unser Wille und unsere Lebenslust stärker sind als das, was wir täglich hinnehmen.

Fünf Gamechanger
Folgende Gamechanger helfen, einen gesunden Umgang mit dem Smartphone zu finden:
- Die ersten und letzten 30 bis 60 Minuten des Tages OHNE Handy verbringen:
Diese Morgen- und Abendroutine ist wohltuend und hilft uns, bei uns selbst anzukommen. - Bildschirmaktivierungen auf 32- bis 64-mal pro Tag reduzieren:
Aktuell aktivieren Jugendliche ihr Smartphone täglich rund 180-mal am Tag, Erwachsene 88-mal. Das bedeutet, alle fünf, respektive alle 11 Minuten wird das Handy eingeschaltet. Wenn wir stattdessen „NUR“ noch alle 30 Minuten nach dem Smartphone greifen, reduziert sich diese Zahl auf 32 - Bildschirmzeit auf 2 bis 3 Stunden am Tag reduzieren:
Wenn wir jeden Tag zwei Stunden weniger am Smartphone sind, sind das 14 Stunden in der Woche und 45 Tage im Jahr, die wir mehr Zeit haben. Die gute Nachricht: Diese Zeit können Sie sich selbst schenken. - Pushnachrichten abstellen:
Wenn der Bildschirm alle zwei bis drei Minuten aufleuchtet, ist es schwer, dem Griff nach dem Smartphone zu widerstehen. Schalten Sie die Benachrichtigungen Ihres Handys aus und entscheiden Sie selbst, wann Sie in welche App gehen und wann nicht. Aus dem Auge aus dem Sinn. - Das Smartphone immer mal wieder unsmart oder im Flugmodus nutzen:
Schaffen Sie sich digitale Auszeiten (Offline Zeitinseln) im Alltag. Atmen Sie durch und machen Sie das, worauf Sie Lust haben. Der einzige Mensch, der von Ihnen erwartet, immer und ständig erreichbar zu sein, sind Sie selbst. Lösen Sie sich davon.
Diese fünf Hilfsmittel unterstützen Sie dabei, einen gesunden Umgang mit dem Smartphone zu finden. Nicht, weil Sie es müssen, sondern weil Sie sich insgeheim schon seit längerem nach mehr Leben sehnen.
Worauf kommt es für Sie im Leben an? Wofür stehen Sie am Morgen auf?

Ihr Film: Scrollen oder leben – Sie entscheiden
Stellen Sie sich vor, über Ihre kommenden 20 Jahre würde ein Film gedreht werden. Was wollen Sie sehen? Wollen Sie sehen, dass Sie davon 7 bis 12 Jahre gescrollt haben? Diese Frage beantwortet Sie nicht in 20 Jahren, wenn der Film läuft, sondern an jedem einzelnen Tag bis dorthin. Sie sind der Regisseur Ihres Lebens und gleichzeitig auch der Hauptdarsteller.
Für Veränderung braucht es dreierlei:
- Die Vision, eines Lebens, für das es sich zu leben lohnt.
- Den Leidensdruck, wenn wir spüren, dass uns der aktuelle Smartphone-Gebrauch mehr schadet als nützt.
- Den erste Schritt. Gehen Sie ihn gerne alleine oder gehen Sie ihn gemeinsam mit „Smartphone aus – Leben an.“.
Es braucht nicht viel. Keine App, kein neues Tool. Sondern eine bewusste Entscheidung: „Heute beginne ich.“ Neben meinem Buch gibt es mittlerweile die „Smartphone aus – Leben an“- Bildungsinitiative in Schulen, Einzelcoachings in Familien, Mitarbeitercoachings in Unternehmen und das kostenfreie 4-Wochen-Begleitprogramm, bei dem Sie gemeinsam mit Hunderten und Tausenden von Menschen in ganz Deutschland den ersten Schritt wagen können.
Veränderung entsteht durch Umsetzung, durch das Machen. Trauen Sie sich und holen Sie sich Ihr Leben zurück. Im Smartphone finden Sie es nicht.

Das, wonach wir suchen, ist nur im echten Leben zu finden
Wir suchen in unserem Suchtgerät Nr. 1 nach Zuwendung, Anerkennung und Aufmerksamkeit. All dies können wir aber nur in der echten Welt finden.
Wir suchen nach Liebe und nach Leben, weil wir auf der Suche nach uns selbst sind. Einen gesunden Umgang mit dem Smartphone zu finden ist auf den ersten Blick eine individuelle Herausforderung. Wenn wir aber genauer hinsehen, ist es ein Thema, das uns alle betrifft. Eine Möglichkeit wieder näher zusammen zu rücken.
Was wir gerade erleben, ist keine individuelle Schwäche, sondern eine kollektive Überforderung. Und genau deshalb braucht es kollektive Lösungen.
Wir stehen an einem Scheideweg. Nach 20 Jahren Smartphone, in der Zeit von ChatGPT, KI und den ersten Anfängen von Robotern, liegt es an jedem Einzelnen von uns, zu entscheiden wie viel Mensch wir in dieser Welt noch sein wollen.
Machen Sie den ersten Schritt. Für sich, für uns und für die kommende Generation.
Fotos: Dall-E, Unsplash / Owl Illustration Agency, Erry S Nugroho, Getty Images, Pablo de Rosi, Amanda Sala


