Familie springt gemeinsam auf einer Sanddüne während einer Reise

SINNterview – DIE KUNST DES REISENS

„Jede Reise ist eine Schule ohne Klassenzimmer“, sagt Lars Föll, Geschäftsführer von TUMI, über seine größte Leidenschaft. Im folgenden Gespräch erzählt er außerdem über nachhaltige und aktuelle Trends, sein wichtigstes Reisegepäck und seine liebsten Ziele.

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Interview Hans Christian Meiser

Lars Föll ist General Manager von Tumi sowie der Samsonite Gruppe in Deutschland. Nach einem Master of Luxury Management in Mailand ist er seit über 20 Jahren in der Reise- und Lederwarenindustrie aktiv.

Herr Föll, als Geschäftsführer von TUMI, einem der wichtigsten und besten Reisegepäckhersteller der Welt, sind Sie sowohl geschäftlich, als auch privat mit der Familie viel unterwegs, erleben also viele andere Menschen beim Ortswechsel. Können Sie hier Unterschiede z.B. zur Zeit vor Corona feststellen, etwa, dass nicht nur mehr Menschen sich von A nach B bewegen, sondern dass auch die Transportwege schneller geworden sind? Das ist zumindest das, was ich wahrnehme.

Die Reiselust der Deutschen hat ganz sicher nicht nachgelassen. Nach der Coronakrise zeigte sich zunächst der „Revenge Travel“-Trend – geprägt von mehr und häufigeren Reisen sowie spürbar höheren Ausgaben als vor der Pandemie. Und auch in diesem Jahr zeigt sich, dass die meisten beim Reisen nicht sparen möchten.

Berufliches Reisen erreicht allerdings weiterhin nicht das Niveau von 2019 und davor. Als Rheinländer kann ich zudem nicht bestätigen, dass Transportwege schneller geworden sind. Der Wegfall fast aller USA-Flüge ab Düsseldorf ist dafür ein gutes Beispiel – und dieser Flughafen ist nicht der einzige in Deutschland mit weniger Verbindungen.

Blick aus einem Flugzeugfenster auf Tragfläche und Wolken im Sonnenuntergang

Nehmen auch Sie wahr, dass immer mehr junge Familien unterwegs sind, oft mit Babys, die noch kein Jahr alt sind, und das auf der Langstrecke? Wie ist Ihre Meinung dazu, gerade als Familienvater?

Seit der Geburt meiner ersten Tochter, die inzwischen neun Jahre alt ist, haben wir jedes Jahr mindestens einmal eine Fernreise unternommen. Reisen ist unsere Leidenschaft und die Kinder haben das bisher sehr gut mitgemacht. Und ja, auf diesen Reisen waren wir meist eine von vielen Familien.
Ich mag die Vorstellung, dass jede Reise eine Schule ohne Klassenzimmer ist.

Sind wir nicht geschäftlich unterwegs, reisen wir, weil unser Leben ganz und gar nicht frei von Stress ist, aber in den Urlaubstagen stressen wir uns ebenso, da wir keine Sehenswürdigkeit verpassen möchten oder es nicht mehr gewohnt sind, einfach nur nichts zu tun. Was ist Ihr Rezept gegen den Freizeit- und Urlaubstress?

Im Urlaub laufe ich morgens oder – noch besser – schwimme. Danach ist mein Bewegungsdrang meist gestillt, sodass ich mich mit einem Buch oder bei gemeinsamen Aktivitäten mit unseren Kindern entspannen kann. Da sie noch klein sind, achten wir darauf, das Programm bewusst überschaubar zu halten.

Familie blickt von einer Aussichtsterrasse auf die Skyline von Dubai mit dem Burj Khalifa

Auch wenn das Fliegen heute wegen der Umweltproblematik von vielen nicht mehr akzeptiert wird, sind weltweit stündlich ca. 100.000 Flugzeuge in der Luft. Das heißt, dass man auch auf lange Zeit gesehen nicht auf das Fliegen verzichten wird, im Gegenteil. Wie sehen Sie hier die Entwicklung?

Flugzeuge werden immer sparsamer – ein klar positiver Trend. Gleichzeitig lässt sich der Einfluss auf die Umwelt nicht wegdiskutieren. Der Wegfall einiger innerdeutscher Verbindungen ist daher eine logische und in Teilen durchaus begrüßenswerte Konsequenz. Viele sehr umweltbewusste Menschen werden dennoch weiterhin fliegen, wenn sie dadurch die Möglichkeit haben, die Welt zu entdecken. Ich zähle mich ebenfalls dazu.

Viele Menschen reisen nur noch mit Handgepäck, um Zeit zu sparen. Wie machen Sie das? Immer nur einen Kabinentrolley dabei? Obwohl dessen Mitnahme ja – zumindest bei der Lufthansa – mittlerweile auch schon etwas kostet …

Meinen klassischen Overnight-Trip erledige ich ziemlich konsequent mit meinem TUMI Surveillance Rolltop Rucksack, in dem ich neben dem Laptop auch einen Kulturbeutel, Laufschuhe und Wechselklamotten unterbringen kann.

Reisen, die über zwei Nächte hinausgehen, unternehme ich mit meinem TUMI Alpha Dual Access Kabinentrolley – damit komme ich selbst für fünf bis sechs Tage hervorragend aus.

Blauer TUMI Reiserucksack mit Laptopfach auf weißem Hintergrund
Geöffneter blauer TUMI Rollkoffer mit organisiertem Innenraum
Detailaufnahme der Doppelrolle eines blauen TUMI Reisekoffers
Schwarzer TUMI Rollkoffer mit ausziehbarem Teleskopgriff auf weißem Hintergrund

FACHKOMPETENZ REICHT ANGESICHTS DER KOMPLEXITÄT UNSERER ZEIT NICHT AUS

Viele universitäre Fächer beschäftigen sich mit der Frage, „wie“ der Mensch sei. Die Philosophie möchte verstehen, „was“ er ist. Wäre es nicht sinnvoll, wenn jeder, der studiert, einen Grundkurs Philosophie belegen würde, weil dann das Verständnis für alles, das ist, etwas ausgeprägter wäre und die Menschen die großen Fragen etwas anders, nämlich reflektierter, angehen würden als sie es normalerweise tun?

Mit der Verbindung empirischer Wissenschaften und der Philosophie sprechen Sie die Grundidee der humanistischen Universitätsidee an, die in angelsächsischen Eliteuniversitäten heute als Liberal Arts Education bezeichnet wird. Auch bei uns wächst das Verständnis, dass reine Fachkompetenzen angesichts der Komplexität und Mehrdeutigkeit unserer Zeit nicht ausreichen. Deshalb haben inzwischen viele technische und wirtschaftliche Studiengänge in unterschiedlichen Anteilen ethische Seminaranteile.

Bei uns an der Hochschule haben wir 2021 ein Philosophisches Orientierungsjahr eingeführt, das sich an Abiturientinnen und Studenten anderer Fachrichtungen richtet, die einen intensiveren Einstieg in die Philosophie suchen und für sich selbst Orientierung in den grundlegenden Fragen des Menschseins gewinnen wollen.

Um die Bereitschaft und das Interesse dafür in einer großen Breite zu wecken, sollte philosophisches Denken als Methode des kritischen Hinterfragens, Argumentierens und Urteilens auch schon in der schulischen Bildung mehr Raum einnehmen. Die Hochschule möchte das fördern und bringt derzeit eine Stiftungsprofessur auf den Weg, die u.a. auch Weiterbildungsmodule für Lehrkräfte entwickeln soll, um Kindern und Jugendlichen das Philosophieren als Bildungsprinzip und Kulturtechnik methodisch und didaktisch zu vermitteln.

Schwimmer im türkisfarbenen Meer umgeben von mehreren Haien aus der Vogelperspektive

„Reisen wechselt das Gestirn, aber weder Kopf noch Hirn“, meinte der Aphoristiker Georg Christoph Lichtenberg vor ca. 250 Jahren. Allerdings verließ er seine Heimat fast nie, und wenn, dann nur für ganz kurze Wege. Dennoch ist seine Aussage interessant. Wie stehen Sie dazu?

Ein Ortswechsel macht einen Menschen vielleicht nicht automatisch besser oder glücklicher – da bin ich noch bei Lichtenberg.
Aber ansonsten antworte ich mit Augustinus von Hippo: „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ Kopf und Hirn werden inspiriert und angeregt – und damit einer Veränderung ausgesetzt.

Natürlich muss man nun zum Ende dieses Gesprächs jemanden, der professionell (zumindest indirekt) mit Reisen zu tun hat, fragen, was denn seine Lieblingsdestinationen sind …

Bei City-Trips schlägt nichts Tokyo. Für den Strandurlaub liebe ich Griechenland, insbesondere den Peloponnes. Und für Inspiration und das Abenteuer: Afrika.

Fotos: TUMI, iStock, Unsplash / Tom Barrett, Juan Cruz Mountford, Nazarizal Mohammad

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