Panoramaaufnahme einer Küstenlandschaft mit dicht bebauten Häusern, grünen Hügeln und Meer im Hintergrund bei warmem Abendlicht.

Alle träumen von Capri

Damals wie heute sind es die charismatischen Küchenchefs, Gastwirte und Hoteliers, die mit ihrem besonderen Charme die Welt um sich zum Leuchten bringen. Drei Beispiele und viele Geheimtipps.

Hier erfahren Sie mehr über

  • Das Ankommen in Capri
  • Herausragende Köche
  • Besondere Orte und Beachclubs

Text Christine Gräfin von der Pahlen

Schwarzweiß-Porträt von Christine Gräfin von der Pahlen.

Christine Gräfin von der Pahlen war 30 Jahre für das Reise-Ressort von MADAME verantwortlich und reiste rund um die Welt. Zu ihren schönsten Erinnerungen zählen die Tiere Afrikas, die mutigen Frauen in Myanmar, die vietnamesische Küche und alles in Italien. Mehr darüber in ihrem Online-Travel-Magazin „My Wonderful World“.

Wie ein glitzernder Diamant liegt die schönste aller Mittelmeerinseln in den lapislazulifarbenen Fluten des Golfs von Neapel. Wer Capri im Frühling besucht, wenn Oleander blühen und Ginsterbüsche ihren betäubenden Duft verströmen, erlebt einen ganz besonderen Moment – wie in der Oper, kurz bevor sich der Vorhang hebt und den Blick auf ein einzigartiges Sommerspektakel freigibt.

Wer häufiger nach Capri reist, kennt dieses Coming-Home-Gefühl, das einen erfasst, sobald man in der Marina Grande das Aliscafo verlässt.

Es ist die Architektur der weißen Häuser, umrankt von Bougainvillea und Zitronenbäumen, die Vorfreude auf ein neues Kapitel Dolce Vita, auf Begegnungen mit vertrauten Gesichtern und auf Orte, die sich über Jahre kaum verändert haben.

 

Bucht mit türkisfarbenem Wasser und hellem Sandstrand; im Vordergrund rahmen grüne Pflanzen die Küste ein.

Anacapri – Ankommen wie früher

Nur wenige Minuten an Bord der Funicolare, dieser leicht aus der Zeit gefallenen Standseilbahn, und man landet 139 Meter höher am Rand der Piazzetta – mitten im Leben. Es gibt Tage, an denen man gelassen hinnimmt, dass – ähnlich wie in Venedig und unabhängig vom Wetter – Tausende von Tagestouristen das übliche Pflichtprogramm absolvieren, bevor sie am späten Nachmittag im Hafen Schlange stehen, um das letzte Aliscafo nach Neapel zu erwischen.

Dann beginnt auf der Insel die schönste Zeit: die Zeit der Passeggiata. Für Gassigeher in Anacapri, dem höher gelegenen und deutlich ruhigeren Ort, von dem Insider sagen, er sei wie Capri vor fünfzig Jahren. Für Spaziergänger auf der Via Tragara oder Flaneure auf dem Weg zu einer der angesagten Dachterrassen, um beim Aperitivo zu beobachten, wie die Sonne im Meer versinkt.

Dieses Gefühl des Ankommens stellt sich auch beim Betreten der Restaurants ein, deren Namen über Jahrzehnte gleich geblieben sind; auch wenn die Generationen nachrücken. Die Jungen stehen heute an vorderster Front, während die Alten ihre Gastgeberrolle genießen, Stammgäste umarmen und Neulinge mit ihren schillernden Geschichten von Paradiesvögeln verzaubern, die es so längst nicht mehr gibt.

Die Schauplätze jedoch existieren noch immer: unten am Meer, dort, wo die Natur an den Steilküsten ein wenig Raum gelassen hat für die bunt gestreiften Sonnenschirme legendärer Beach Clubs mit klingenden Namen wie Canzone del Mare, Lido del Faro oder La Fontelina.

  • Ein Koch in weißer Kochjacke legt Krustentiere in eine silberne Schale.
  • Blick durch Bäume und über Liegestühle am Pool auf das Meer und die Küstenlandschaft.

La Colombaia im Grand Hotel Quisisana: Old World Glamour

Die Lage des Grand Hotel Quisisana ist einzigartig: vorn die Via Camerelle, Capris eleganteste Shoppingmeile, rückseitig ein weitläufiger Park mit palmengesäumtem Pool. Während auf der Terrasse der Bar Quisi’s Bellinis und Aperol Spritz zum Sehen-und-Gesehenwerden serviert werden, genießen die Poolgäste die entspannte Atmosphäre eines City-Resorts.

Kulinarischer Mittelpunkt ist das Ristorante La Colombaia – mit Tischen in Poolnähe und einem pavillonartigen Restaurantbereich mit bodentiefen Fensterfronten.

Am Herd steht der Vollblut-Sizilianer Stefano Mazzone, der nach prägenden Jahren bei Gualtiero Marchesi in Mailand und Heinz Beck in Rom bewusst den Weg zurück in den Süden wählte. Seit 2007 gehört er zum Quisisana und kocht eine klare, elegante Küche als Liebeserklärung an die über Jahrhunderte bewahrte italienische Tradition – frei von Schnickschnack, aber voller Feinsinn.

Zum Lunch unter Sonnenschirmen passen Klassiker wie Vitello tonnato, ein gegrillter Pescato del Giorno oder eine Insalata Caprese, deren weltweite Karriere in den 1920er Jahren in der Küche des Quisisana begann. Auch die Pizza aus dem Holzofen wird hier mit derselben Hingabe zubereitet wie ein frischer Hummer.

Breites Bild mit mehreren Motiven: links eine unscharfe Nahaufnahme arbeitender Hände auf heller Oberfläche, rechts Blick durch Bäume auf Meer und Küstenlandschaft.

Am Abend variiert die Karte mit Gerichten wie Risotto alla Milanese, Spigola in Salzkruste mit Zitronenblättern oder Lammkoteletts vom Grill. Spätestens beim Dessert-Trolley ist jede Zurückhaltung zwecklos: Besonders begehrt ist die Torta Cardinale 1936, ein Erdbeerkuchen mit Geschichte, kreiert anlässlich des Besuchs von Erzbischof Monsignore Serena.

Für die passende Weinbegleitung sorgt Chef-Sommelier Aldo D’Errico, der seit über drei Jahrzehnten den Keller mit rund 600 Etiketten betreut. Im Krug Room lassen sich ausgewählte Champagner glasweise verkosten – eine Seltenheit. Der aufmerksame, charmante Service erinnert an die große Zeit der Grand Tour und verleiht dem La Colombaia jenen zeitlosen Glamour, für den Capri berühmt ist.

Stefano Manzones Kraftort ist „der Parco Astarita, genauer gesagt eine Bank mit einem der eindrucksvollsten Ausblicke der Insel – ein Ort, an dem man unweigerlich an Kaiser Tiberius denkt und für einen Moment die Zeit vergisst.“

La Colombia, Via Camerelle, 80073 Capri, colombaiarestaurant.com

Öffnungszeiten: Täglich von 12:30–15:30 Uhr und 19:30–22:30 Uhr

  • Heller Restaurantinnenraum mit Pflanzen und Holzmöbeln.
  • Weißer Teller mit angerichtetem Gericht von zwei Händen präsentiert,

La Capannina – Ein Stück Inselgeschichte

Kaum ein anderes Restaurant ist so eng mit dem Schicksal Capris verbunden wie die La Capannina. Alles begann 1931, als der aus den Abruzzen stammende Francesco di Angelis auf die Insel kam, im Hotel Quisisana arbeitete und gemeinsam mit Teresa, der Liebe seines Lebens, den Entschluss fasste, ein eigenes Lokal zu eröffnen – in einer ruhigen Seitengasse, nur wenige Minuten von der Piazzetta entfernt.

Das unprätentiöse, geschmackvoll eingerichtete Restaurant und seine verlässlich gute Inselküche wurden schnell zum Treffpunkt der internationalen Gesellschaft. In den fünfziger und sechziger Jahren gaben sich hier Ikonen wie Liz Taylor und Richard Burton, Jackie Kennedy und Aristoteles Onassis, Marcello Mastroianni und Sophia Loren die Klinke in die Hand. Später folgten Dustin Hoffman, Michael Douglas, Julia Roberts oder Uma Thurman, die lange Abende im begrünten Patio verbrachten.

Neben Klassikern der capresischen Küche fanden sich immer wieder mutige Gerichte auf der Karte. Pionierarbeit leistete das Haus mit der Insalata Caprese, den Ricotta-gefüllten Ravioli Caprese und der legendären Torta Caprese, jenem Schokoladen-Mandel-Klassiker, der der Legende nach aus einem Backmissgeschick entstand.

Bis heute hat Antonio di Angelis, auch jenseits der achtzig, alles im Blick. Als kluger Gastgeber und Geschäftsmann erweiterte er das Haus um die La Capannina Wine Bar gegenüber sowie den Deli Shop La Capannina Più, in dem Weine, Delikatessen und ausgewählte Accessoires verkauft werden. Die Zukunft ist gesichert: Sohn Francesco steht in der Küche, Tochter Renata kümmert sich um die Gäste – und mit Andrea und Piero wächst bereits die nächste Generation heran.

Am liebsten trifft sich Francesco de Angelis mit Freunden in der La Capannina Wine Bar. Für Aperitivo oder After-Dinner-Drink empfiehlt er das historische Bar Caffè Caso an der Piazzetta, für Spaziergänge die Giardini di Augusto mit Blick auf die Faraglioni – bestes Gelato gibt es für ihn bei Buoncore.

La Capannina, Via Le Botteghe 14, 80073 Capri, capanninacapri.it

Öffnungszeiten; Täglich von 12:15–15:00 und 19:15–23:30 Uhr

  • Ein Kochs mit weißer Mütze und dunkler Kleidung trägt eine durchsichtige Kiste voller Fische auf der rechten Schulter.
  • Offener Restaurantbereich mit vielen Holztischen samt karierten Tischdecken und Stühlen unter heller Decke.

Trattoria Le Grottelle – Der Weg auf den Berg lohnt sich!

Zwei Wege führen von der Piazzetta hinauf zur Trattoria Le Grottelle – einer sanfter, einer steiler, beide dauern etwa 20 Minuten. Orientierungspunkt ist der Arco Naturale, ein 18 Meter hoher Kalksteinbogen, der als Rest einer eingestürzten Grotte gilt. Von der Terrasse der familiengeführten Trattoria blickt man auf ihn ebenso wie auf die Amalfiküste mit Punta Campanella, die Galli-Inseln und bei klarer Sicht bis in den Golf von Salerno.

Man sitzt im Schatten einer Pergola, umgeben von Pinien und Olivenbäumen, während sich das rustikale Innere des Lokals direkt aus dem Felsen herausgearbeitet zeigt – wildromantisch und wohltuend kühl. Hausherr ist Luigi Vuotto, Neffe der legendären Zia Peppina, die das Lokal einst eröffnete; zu den früheren Stammgästen zählte der Dichter Curzio Malaparte. Heute stehen Luigi, seine Frau und seine Tochter gemeinsam in der Küche.

Auf der Karte finden sich unverfälschte capresische Klassiker: Spaghetti Sciue Sciue, Scarole mit Anchovis, Oliven, Kapern und Rosinen sowie einfache, perfekt zubereitete Fischgerichte wie gegrillter Schwertfisch, Pezzogna oder frittierte Sardellen. Ergänzt wird das Angebot durch gute Pizza aus dem Holzofen. Zum Dessert locken Delizia al Limone oder Zitronenkuchen.

Mittags genießt man vor allem den grandiosen Ausblick, abends – besonders im Sommer – die angenehme Kühle. Für den Rückweg empfiehlt sich eine Taschenlampe. Reservieren sollte man unbedingt, ausschließlich telefonisch.

Trattoria Le Grottelle, Via Arco Naturale 13, 80073 Capri, @ristorantelegrotelle, Tel: +39 0818375719

Öffnungszeiten: Täglich von 12:00–15:00 und 19:00–23:00 Uhr, Dienstag geschlossen

Blick über felsige Küste mit grüner Vegetation auf das Meer; im Hintergrund erhebt sich eine steile Felsformation.

Geheimtipps und Wissenswertes

Aurora

Papa Gennaro erfand hier die legendäre Pizza all’Acqua: innen weiß, außen knusprig – der Rest bleibt Geheimnis. Seither pilgern Pizza-Liebhaber aus aller Welt her, während Promis wie Uma Thurman lieber Carpaccio vom einheimischen Pezzogna-Fisch bestellten.

Via Fuorlovado 18, auroracapri.com

La Conchiglia

Ein Bilderbuch-Buchladen mit deckenhohen Regalen, Capri-Gemälden und exquisiten Bildbänden zur Inselgeschichte. Hier findet man englische Klassiker wie Capri Movies oder The Story of San Michele – und taucht tief in Capris kulturelles Gedächtnis ein.

Via Le Botteghe 12, edizionilaconchiglia.it

Canfora

Hier wurde 1946 die Capri-Sandale erfunden – schlicht, elegant, zeitlos. Jacky Kennedy machte sie weltberühmt, ihr Foto hängt bis heute im unveränderten Laden, ebenso wie Schuhgröße und Fußabdruck in der Kundenkartei. Maßgefertigte Ikonen ab etwa 200 Euro.

Via Camerelle 3, canforacapri.com

Villa San Michele

Axel Munthe schuf hier in Anacapri sein persönliches Paradies auf den Ruinen einer römischen Villa. Heute gehören Haus und Garten dem schwedischen Staat und zählen zu den eindrucksvollsten Kulturorten der Insel.

Tgl. 9:30–17:00 Uhr, sanmichele-capri.com

Carthusia – Profumi di Capri

Aus einem Duftstrauß der Kartäusermönche von 1380 entstand eine der berühmtesten Parfumlinien Italiens. Bis heute produziert die Familie Ruocco in den historischen Räumen feinste Düfte und hochwertige Body Products – echte Capri-Erinnerungen zum Mitnehmen.

Via Camerelle 10 & Via Axel Munthe 26, carthusia.com

Da Gelsomina, Anacapri

Ein verstecktes Gasthaus inmitten eines riesigen Gartens oberhalb von Anacapri, bekannt für deftige Hausmannskost aus dem Holzofen. Highlight ist das nahe Belvedere della Migliera, einer der spektakulärsten Aussichtspunkte der Insel.

Via Migliara 72, dagelsomina.com

Via Krupp

Der spektakuläre Serpentinenweg verbindet die Giardini di Augusto mit der Marina Piccola. Nach jahrelanger Sperrung ist die Via Krupp seit 2023 wieder zugänglich – ein architektonisches Meisterwerk mit Geschichte und Aussicht.

Chantecler

Capresischer Schmuck mit großer Vergangenheit: In den 1950er-Jahren Hoflieferant der internationalen Bohème, heute geführt von der nächsten Generation. Jede Kollektion erzählt weiter von Glamour, Handwerk und Inselmythen.

Via Vittorio Emanuele 51, chantecler.it

Beach Clubs

La Fontelina

Vom einfachen Badeplatz zum ikonischen Luxus-Beachclub mit Blick auf die Faraglioni. Blau-weiß gestreifte Schirme, exzellente Küche und prominente Geschichte – Eintritt ab ca. 200 Euro, verrechenbar mit Konsum. fontelina-capri.com

Lido del Faro

Am Leuchtturm von Punta Carena gelegen, mit natürlichen Terrassen und maximaler Sonne bis zum Untergang. Der Eintritt von 60 Euro wird auf Speisen und Drinks angerechnet – ideal für Lunch oder Sunset-Aperitivo. lidofaro.com

La Canzone del Mare

Legendärer Beachclub in der Marina Piccola mit zwei Meerwasserpools, Bar und Restaurant. Einst Treffpunkt der Bohème, heute Klassiker mit Stil. lacanzonedelmare.com

Bagni Tiberio

Einer der traditionsreichsten Badeplätze Capris, nur wenige Minuten von der Marina Grande entfernt. Seit 100 Jahren in Familienhand – mit Restaurant, Cocktailbar und fairen Preisen. bagnitiberio.com

Da Luigi ai Faraglioni

Postkartenblick auf die Faraglioni inklusive. Beliebt für Lunch mit Lobster-Linguine, legendärer Schokotorte und direktem Zugang zum Meer. Eintritt inklusive Liege, Schirm und Lunch ab 125 Euro. luigiaifaraglioni.com

Ihr Weg zum Buch „Zu Gast an der Amalfiküste“

Für diesen Beitrag bedanken wir uns bei Christine von der Pahlen und dem Callwey-Verlag. Das Kapitel über Capri ist nur eines über das neue Buch „Zu Gast an der Amalfiküste“, mit vielen Restaurant-Tipps und den persönlichen Lieblingsrezepten der Köche:

www.callwey.de/christine-von-pahlen/

Fotos: CALLWEY, Mayk Wendt, Romain Reglade

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