Drei süße Verführungen in Paris
Die französische Capitale ist voll von besonderen und teuren Hotels. Unser Autor hat drei gefunden, die das Portemonnaie nicht strapazieren und trotzdem toll gelegen sind. Dazu weitere Top-Sehenswürdigkeiten.
Hier erfahren Sie mehr über
- Lage, Lage, Lage
- Klassische Sehenswürdigkeiten
- Die Backschule Maison Fleuret
Text Hans Christian Meiser

Dr. Hans Christian Meiser ist Philosoph und Publizist, zudem Herausgeber und Chefredakteur von PURPOSE, dem Magazin für Sinnhaftigkeit. Dieses Thema zieht sich durch sein gesamtes Werk.
Ob der französische Präsident Macron oder seine Gattin wegen der Wortähnlichkeit eine Vorliebe für Macarons haben, also die bunten Leckereien in den verschiedensten Geschmackrichtungen, ist mit nicht bekannt.
William Heinecke, thailändischer Hotelbesitzer amerikanischer Herkunft indes liebt sie, offenbar auch im übertragenen Sinne. Für seine „Minor Group“ (u.a. Anantara, Avani, Oaks, Tivoli, Elewana Collection) kauft er an Hotelmarken auf, was der Markt derzeit anbietet. Zuvor, 2019, erwarb er die spanische „NH Hotel Group“ (über 350 Hotels in ca. 30 Ländern) und mit ihr auch die Premium-Marke NH Collection, eine Sammlung höherpreisiger und nicht gewöhnlicher Häuser (etwa 100 Hotels und Resorts in ca 25 Ländern). Rechtzeitig zu den Olympischen Spielen eröffneten in Paris drei dieser Domizile gleichzeitig, allesamt in besten Lagen – in diesem Fall im 8., 9. und 10. Arrondissement.

TROTZ LAGE: GÜNSTIG
Es ist aber nicht nur die Lage, es sind auch die Preise, die ja – wie in allen europäischen Metropolen – mittlerweile schwindelerregende Höhen erreicht haben. Hier, in jedem der drei Häuser, beginnen sie meist ab ca. € 200.- (pro Zimmer), können aber auch das Doppelte kosten, je nach Jahreszeit eben. Damit liegen sie immer noch unter den Preisen für ein Mitteklassehotel in diesen Lagen oder gar für ein Luxushotel, das sich womöglich in nächster Nachbarschaft befindet, z.B. an der Champs-Élysée, für das oft mehr als das Zehnfache aufgerufen wird.
Und da in Paris auch die Restaurants, Lokale und Bars nicht gerade günstig sind, lohnt es sich, auch bei der „NH Collection“ das Internet nach günstigen Angeboten (wie z.B. von Tui) zu durchforsten.
Mittendrin: NH Collection Paris Ponthieu
Das „NH Collection Paris Ponthieu Champs-Élysée Hotel“ verfügt über neun Einzel- und 74 Doppelzimmer sowie sechs Suiten verteilt auf sechs Stockwerken in einem Gebäude aus dem Jahr 1900, das eigentlich aus zwei nebeneinander gelegenen Häusern gestaltet wurde. Mir gefiel die Suite 609 besonders gut, denn sie ist vollkommen ruhig (selten für Paris), findet sich unter dem Dach und strahlt einen unglaublichen Charme aus.
Man fühlt sich sofort wohl, nichts erinnert an ein Hotel, man logiert auf ca 40 m² und hat das Gefühl, „mittendrin statt nur dabei“ zu sein. Denn es ist der perfekte Ort, von dem aus die meisten Sehenswürdigkeiten zu Fuß und ohne große Anstrengung zu erreichen sind: die Kathedrale Notre-Dame de Paris, den Louvre (unbedingt die Ausstellung Michelangelo – Rodin (noch bis 20.6.26)), den Tuileriengarten, die Seine, die Bouquinisten, den Arc de Triomphe, die Kunstmuseen Grand und Petit Palais, die Kirche La Madeleine, die unzähligen Restaurants und Cafés jeglicher Provenienz, das Rathaus (Hôtel de Ville) im 4. Arrondissement, die Champs-Élysée, und natürlich den Eifelturm, den man übrigens von der U-Bahn Station Trocadéro (16. Arrondissement) am besten aus bestaunen kann. Von hier oben aus versteht man auch, wie der Jardin du Champ de Mars angelegt ist und man verneigt sich vor so viel inspirierender Kunst.
Bevor Sie aufbrechen, ein Tipp: Es ist unbedingt nötig, für alle Sehenswürdigkeiten in Paris eine Online-Reservierung zu haben.

NH HOTEL OPERA FAUBOURG UND GALERIE LAFAYETTE
Von hier aus geht es zum 9. Arrondissement, in dem sich das „NH Hotel Opera Faubourg“ befindet, ebenfalls in einem Jahrhundertwendehaus mit ähnlichen Zimmern wie im Schwesterhotel Ponthieu Champs-Élysée (zu präferieren: #202 und #315 wegen ihrer Doppelbalkone) gelegen. Und was man hier an Geld für das Zimmer einspart, kann man anschließend in der „Galerie Lafayette „wieder ausgeben.
Es ist unglaublich, wie sich dieser Tempel der modernen Kaufkultur präsentiert. Was gleich nebenan, in der Pariser Oper, Bühnenbild ist, wird hier Wirklichkeit – und macht dem Namen „Shoppingparadies“ alle Ehre.
Der Dichter Rainer Maria Rilke, der zwischen 1905 und 1906 als Sekretär des Bildhauers August Rodin in Paris lebte, beginnt seinen Roman „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ mit den Worten: „So, also hierher kommen die Leute, um zu leben, ich würde eher meinen, es stürbe sich hier.“
Rilkes Worte bezogen sich aber nicht auf das Kaufhaus mit seiner 33 Meter hohen Galeriehalle in Jugendstilmanier und der 40 Meter hohen, farbigen Glaskuppel, die man auch (nach Voranmeldung) besuchen kann.
Vermutlich war er nicht weniger fasziniert wie ich, der ich das pralle Leben, das sich hier facettenreich widerspiegelt, bewunderte, vor allem, da ich den kosmopolitischen Aspekt der Produkte und der Kunden bedachte. Jeden Freitag findet in einem extra dafür hergerichteten Raum eine 30-minütige, kostenfreie Modenschau (Voranmeldung nötig) statt; das, was man dort sieht, kann man gleich ein paar Stockwerke tiefer erwerben.

BEIM ORIENTEXPRESS: DAS NH PARIS GARE DE L‘EST
Etwa zwei Kilometer von der Galerie Lafayette kann man im „NH Paris Gare de l’Est“, also am „Ostbahnhof“, einem sehr schönen Gebäude des Pariser Haussmann-Stils (eröffnet 1914), weiter über Mode und Kunst sinnieren oder – etwa später – über die Frage, ob man nicht bei jedem Paris-Besuch gleich hier logieren solle. Denn das ehemalige Holiday Inn liegt nicht nur perfekt dem Bahnhof gegenüber, an dem 1882 der Orientexpress zu seiner ersten Fahrt aufbrach, sondern es verfügt auch über 207 große, schön ausgestattete und helle Zimmer sowie eine Vielzahl von Tagungs- und Konferenzmöglichkeiten.
Das Schönste: Man ist z.B. von Frankfurt aus mit dem Zug in 3,5 Stunden am Gare de l’Est, muss nur die Straße überqueren und ist schon an seinem Ziel angelangt. Zudem gibt es ab 2027 eine direkte Zuganbindung an den Flughafen Charles de Gaulle, was die Lage noch prädestinierter macht für Unternehmungen aller Art (mit der Metro ist man ohnedies ganz schnell überall dort, wo man hinmöchte).

HIER ZU GENIEßEN: PARISER LEBEN, LOKALE UND MACARONS
Beispielsweise ist die französische Lebensart besonders gut im Restaurant „Le Berkeley“ zu genießen, jenem schönen, klassischen Pariser Lokal mit der doppelten inneren Wendetreppe, zumal wenn man außen sitzt und das Leben an sich vorbeiziehen lässt.
Oder im „Restaurant l’Alsace“, das für seine Meeresspezialitäten berühmt ist. Auch wenn es nicht unweit des hier erstgenannten Hotels liegt, sieht man hier mehr Franzosen als Touristen und freut sich über den liebevollen Service, den Champagner, die Austern und das einmalige Flair, das den Aufenthalt unvergesslich macht.
Wer ungewöhnliche Champagner oder Weine kosten oder mit nach Hause nehmen möchte, kann dies gleich gegenüber des NH Collection Ponthieu Champs-Élysée tun. Denn hier, im „Cave Ponthieu“, haben drei Freunde, David, Paul und Soriane, eine kleine Weinbar eröffnet, die eigentlich das widerspiegelt, was sich im ganzen Viertel abspielt.
Egal, in welchem Lokal oder Restaurant man landet, man ist stets willkommen und freut sich erneut über die Lage, da man jede Lokalität bequem zu Fuß erreichen kann.
Auch das „Maison Fleuret“ übrigens, in dem man wie in einem Kochstudio das Backen der Pariser Klassiker erlernen kann: Baguette, Croissants und – Macarons. Ich glaubte es kaum, wieviel Aufwand es bedarf, um nur eine einzige dieser Köstlichkeiten herzustellen. Aber unter der fachkundigen Anleitung der in Paris geborenen Vietnamesin Mai gelang es mir dann (mehr oder weniger) doch – und ich bin zwar nicht stolz darauf, doch es freut mich, diese Spezialität selbst hergestellt zu haben.
William Heineke kann auf den Kauf der NH Hotel Group ebenfalls stolz sein, denn außer den drei hier genannten süßen Verführungen gibt es noch wesentlich mehr – wie bei den Macarons eben auch …
Fotos: NH Collection Paris Ponthieu Champs-Élysées, Unsplash / Mika Baumeister, Sung Jin Cho, Getty, Images, Yiwen


