KLEINER, GROSSER HAFEN: PORTO PICCOLO
In einer kleinen Bucht an der Adria entstand aus einem Steinbruch ein amphitheatralischer Ort, in dem Sie Dolce Far Niente und eine spektakuläre Aussicht entdecken können wie einst Dichter und Kaiser.
Hier erfahren Sie mehr über
- Kaiser Maximilian und Rilke
- Eine Hotelanlage zwischen zwei Schlössern
- Triest und einen Burschenschank
Text Hans Christian Meiser

Dr. Hans Christian Meiser ist Philosoph und Publizist, zudem Herausgeber und Chefredakteur von PURPOSE, dem Magazin für Sinnhaftigkeit. Dieses Thema zieht sich durch sein gesamtes Werk.
Die Adria und ihre Strände und karstige Schönheit war nicht nur Sehnsuchtsziel der Deutschen in der Zeit des Wirtschaftswunders, als man mit dem VW Käfer oder dem Opel Kadett über die Alpen fuhr, um das Dolce Vita kennen- und lieben zu lernen; schon Erzherzog Ferdinand Maximilian, der Bruder des österreichischen Kaisers Franz Josef, liebte diese Gegend und ließ sich dort ein Schloss errichten, das heute unter dem Namen „Castello di Miramare“ in aller Welt bekannt ist – ebenso wie das Schicksal des Maximilian, denn dieser wurde, drei Jahre nachdem er zum Kaiser von Mexiko gekrönt war, 1867 standrechtlich erschossen.
Danach diente das Schloss den Habsburgern als Residenz.

MIT KAISER MAXIMILIAN UND RAINER MARIA RILKE AN DER ADRIA
43 Jahre nach dem Tod von Maximilian besuchte der Dichter Rainer Maria Rilke zum ersten Mal das nur 10 Kilometer entfernt gelegene Schloss Duino, auf Einladung der Fürstin Marie von Thurn und Taxis. Zwei Jahre später begann er dort mit dem Verfassen der „Duineser Elegien“, die das Schloss, ihn und die Fürstin ebenfalls weltberühmt machen sollten.
Beide Häuser sind heute für die Öffentlichkeit zu besichtigen und von Sistiana führt sogar ein „Rilke-Weg“ die Steilküste entlang direkt nach Duino. Die Aussicht ist spektakulär.
DAS TIVOLI PORTO PICCOLO SISTIANA RESORT
Warum erzähle ich all das? Weil exakt zwischen Duino und Miramare ein ehemaliger, halbmondförmiger Steinbruch liegt, in dem 2014 das „Tivoli Porto Piccolo Sistiana Resort“ eröffnet wurde. In dieser kleinen Bucht, gleich neben dem berühmten Stand von Sistiana (an dem hauptsächlich Einheimische ihre Wochenend- und Ferienzeit „a mare“ genießen), klettert nun amphitheatralisch ein kleiner Ort, bestehend aus Apartments und Residenzen zum Kaufen oder Mieten, die Steilküste empor und beherbergt in seiner Mitte das Tivoli Hotel mit 58 sehr edel ausgestatteten Zimmern.
Fast wähnt man sich durch die Anspielung auf den Art Deco Stil im Paris oder New York der 1920er Jahre, gleichzeitig aber ist der Blick von den kleinen Balkonen auf die Yachten und Boote so bezaubernd, dass man unwillkürlich an Portofino oder ähnliche Orte an der italienischen Küste denkt.
Zunächst freilich hält man die Anlage für etwas künstlich, aber wenn man einmal ihr Geheimnis entdeckt hat, legt sich dieses Vorurteil, zumal ja alle Orte irgendwann einmal künstlich waren. Dieser hier ist zudem autofrei und nachhaltig geplant.

DOLCE FAR NIENTE UND EIN PAAR TIPPS FÜR ENTDECKER
Und worin besteht nun dieses Geheimnis? Vor allem darin, dem vorwiegend italienischen Publikum beim Vollzug des „Dolce far niente“, dem süßen Nichtstun (moderner: bei der Entschleunigung) zuzusehen und es so gut es geht zu imitieren. Wirkliche Erholung tritt nicht ein, wenn man pausenlos irgendetwas unternimmt, sondern wenn man sich z.B. im Restaurant des Beach Club mit frischem Fisch und mit edlen Tropfen aus der Region Friaul-Venezien verwöhnen lässt, oder sich am Pool oder am Kieselstrand von der fast stillen Bewegung des Wassers einer Meeres-Meditation hingibt, oder die edlen Boote bewundert, die im Porto Piccolo ankern. Nur 116 von ihnen finden hier Platz.
Man kann hier auch heiraten oder einen kleinen Kongress veranstalten – für alles ist gesorgt. Das eigentlich Schöne und wirklich erholsame ist die Tatsache, dass die Natur einen hier zwingt, wieder zu sich zu kommen, sei es im Spa, beim Yoga, bei den leichten Downbeats im Beach Club oder auf der Piazza im Restaurant Ocyan.

TRIEST UND EIN GEHEIMTIPP
Und wenn man sich doch einmal als Tourist auf Entdeckertour fühlen möchte, so sei einem die Stadt Triest ans Herz gelegt, die – anders als z.B. das nicht weit entfernt gelegene Venedig – aufregend anders ist, schon aufgrund ihrer Historie als Hafenstadt und Zentrum des italienischen Versicherungswesens (u.a. Generali, Triestiner Lloyd).
Auch die Kunstszene ist bemerkenswert, vom Teatro Guiseppe Verdi bis hin zu Denkmälern für James Joyce, der 1904 bis 1920 hier lebte und sich zu seinem Hauptwerk „Ulysses“ inspirieren ließ. Obwohl Joyce und Rilke in derselben Gegend zur selben Zeit lebten, haben sich ihre Wege nicht gekreuzt. Hätte es damals schon das „Tivoli Porto Piccolo Sistiana Resort“ gegeben, wären sie sich sicher im Beach Club begegnet.
Denn auch hier findet man Inspiration, vor allem, wenn man bei Sonnenuntergang über das Meer hinweg auf Schloss Duino blickt. Ob man dann so etwa Melancholisches wie die „Duineser Elegien“ oder so etwas schwer zu Verstehendes wie den „Ulysses“ zu schreiben vermag? Ich glaube, eher nicht. Aber auf jeden Fall wird man darüber nachdenken, weshalb sich das Leben im Süden so unvergleichlich leichter und inspirierender anfühlt als in den heimischen Gefilden …

P.S. Noch ein Geheimtipp: Etwas 25 Autofahrminuten von Porto Piccolo entfernt, findet sich an der Grenze der Slowenien der „Burschenschank“ Ostrouska (azienda agricola-agrituristica). Hier – in the middle nowhere – isst man ganz hervorragend, sitzt im Grünen, kann Esel und andere Tiere bewundern und sich den ungespritzten Weinen hingeben, die hier wachsen. Das Lokal überrascht mit echter regionaler Küche, mit niedrigen Preisen, authentischem Leben und einer Lebensfreude, die ihresgleichen sucht. Unbedingt ausprobieren!
DIE ADRESSEN
www.portopiccolosistiana.it/de
Ostrouska, Sagrado, 1, 34010 Sgonica (TS), 0039 – 040 – 2296672
Fotos: Minor Hotels, Unsplash / Marco Soffientini


