KRAFTQUELLE ALPEN
Wer nicht ans Meer möchte, findet Erholung in den Bergen! Unser Autor hat sich drei ganz besondere Häuser in den Alpen angesehen – für eine Herbstzeit, die Körper, Geist und Seele guttut.
Hier erfahren Sie mehr über
- Ein Hideaway in Südtirol
- Einen Jungbrunnen im Salzburger Land
- Ein Refugium im Bregenzer Wald
Text Hans Christian Meiser

Dr. Hans Christian Meiser ist Philosoph und Publizist, zudem Herausgeber und Chefredakteur von PURPOSE, dem Magazin für Sinnhaftigkeit. Dieses Thema zieht sich durch sein gesamtes Werk.
Begegnung mit der Ewigkeit nannte ich einst ein von mir herausgegebenes Buch über das Meer, den Berg und die Wüste. Wasser, Stein und Sand laden uns ein, wieder zu uns zu kommen und das, was hinter allem liegt, immer wieder neu zu bedenken.
Auf einem Berg gelingt dies besonders gut, denn man kann von oben auf das blicken, was einst groß und mächtig war, aber von hier aus klein und nichtig erscheint.
Deshalb helfen uns die Berge, wieder zu uns zu kommen und unsere tägliche Hybris abzulegen.
1) IN SÜDTIROL: DAS PFÖSL
1400 Metern ü.d.M., in Deutschnofen im Südtiroler Eggental, verzaubert auf diesem Hochplateau ein unglaublicher Blick auf die vier Wahrzeichen der Gegend das Gemüt – Latemar, Rosengarten, Schlern und Ötztaler Alpen. Diese Gebirgsmassive, die man von den meisten Blickwinkeln der Provinz Bozen aus nicht als Einheit wahrnehmen kann, tauchen hier in ihrer Verbundenheit auf und man begreift, über welchen Schatz Südtirol verfügt und das Pfösl allemal.
Das (sprachlich) Besondere an diesem Hotel ist die Tatsache, dass es sich nicht wie viele Refugien in Südtirol „Mountain Retrait“ oder „Mountain Hidaway“ nennt, sondern einfach nur den Hofnamen führt, eben „Das Pfösl.“ Geleitet wird es von den Geschwistern Brigitte Zelger und ihrer Schwester Eva sowie deren Mann Daniel Mahlknecht.
Auch wenn der Zusatz „Green Luxury“ englisch ist, zeigt er doch sogleich, worum es der Familie geht: den Gast im Einklang mit der Natur zu verwöhnen. Und das so nachhaltig wie möglich.
Seit mehr als 500 Jahren bewirtschaftet die Familie dieses Stück Land, das heute über 30 Hektar aufweist. Um die alte Pension aus dem Jahr 1950 hat man zudem eine gewagte Holzkonstruktion errichtet, die heute mit ihren Zimmern, Suiten und Chalets ikonisch über dem Tal thront.
150 Gäste finden hier Platz, 60 Mitarbeiter umsorgen sie. Der grüne Luxus sieht so aus, dass z.B. alle Küchenabfälle wieder verwertet werden (z.B. durch Fementierung), dass überall das gesundheitsfördernde heimische Zirbenholz verbaut ist, dass – so gut es geht – in der Küche nur regionale Produkte verwendet werden (jeden Freitag kann man die Produzenten bei der Präsentation ihrer Waren persönlich kennenlernen), dass die Gäste im uralten Außenofen Brotbacken lernen können, dass die Mischung aus Weite, Wiesen und Wasser sofort zur seelischen, körperlichen und geistigen Erholung beitragen, und dass man an jeder Ecke spürt, willkommen zu sein.
AKTIVE ERHOLUNG MIT FAMILIENANSCHLUSS
Zusätzlich gibt es jeden Morgen und am Spätnachmittag Yoga in den verschiedensten Ausrichtungen, später geführte Wanderungen zu den Highlights der Umgebung (auch mit E-Bikes), Golfschnupperstunde, Eselwanderung mit den fünf hauseigenen Tieren, Schwitzhüttenbesuch, Weinverkostung, Waldbaden samt Kräuterbestimmung und natürlich am Sonntagabend den Aperitif-Empfang mit der Familie Zelger-Mahlknecht, der so sympathisch ist, dass man plötzlich das Geheimnis des Pfösl spürt:
Man fühlt sich hier angenommen in einer großen Familie und ist nicht nur ein Gast, der möglichst viel Geld dalassen soll.
Sogar eine Sonnenaufgangswanderung zum Weißhorn mit Brigitte Zelger um vier Uhr morgens steht auf dem Programm, falls man sein schönes und geräumiges Zimmer mit dem wunderbaren Zirbenholzduft und dem gemütlichen Bett wirklich schon so früh verlassen möchte.
GENIEßERPENSION AUS DER NATURKÜCHE
Das ungewöhnliche und sehr Natur bezogene Konzept findet man auch bei der 2/3 Genießerpension (Frühstück, Kaffee, Kuchen, Obst und Südtioler Schüttelbrot ab 13:30 Uhr, Fünf-Gänge-Abendessen).
Jeder Bissen zeigt einem, dass hier größten Wert auf Geschmack und Qualität gelegt wird, und dass der Chefkoch Markus Thurner, von Küchenchef Reinhard unterstützt, sich ganz und gar der alpin-mediterranen Naturküche verschrieben haben.
Und wer sich bis jetzt noch nicht erholt hat, findet die Krönung im Spa (Adult Only) mit seinen diversen Saunen, Sole-Dampfbad, verschiedenen Duschen, und einem großartigen Infinity Pool, von dem aus die Südtiroler Landschaft weiteren Eindruck auf den Gast macht.
Eva Zelger-Mahlknecht erklärt das Geheimnis des Pfösl mit folgenden Worten: „Wir möchten unseren Gästen die Freude am Schönen vermitteln, und hoffen, dass sie mit Schönheit und Freude nach Hause fahren.“
DEMUT UND DANKBARKEIT
Kurz bevor ich mich auf den Heimweg mache, sehe ich, wie die gesamte Familie ein Permakulturbeet anlegt und verstehe mit einem Mal ein weiteres Geheimnis dieses zauberhaften Hauses: Jeder hilft jedem, keiner steht über dem anderen, jeder weiß, dass er ein Teil der Natur ist, ohne deren Produkte wir nicht lebensfähig wären.
Diese Demut und diese Dankbarkeit führen zu einem friedlichen und respektvollen Umgang untereinander und mit den Gästen – und was entspannt mehr als just dies?
2) SALZBURGER LAND: DAS.GOLDBERG.
Die berühmteste Quelle für ein schmerzfreies Leben und eine Verbesserung der Lebensqualität war und ist der Gasteiner Heilstollen im 2600 Meter hohen Radhausberg. Eigentlich sollte hier in den 1940er Jahren der Goldbergbau reaktiviert werden, doch anstelle von Gold fand man etwas Wertvolleres, nämlich das „Wunder“, dass die Bergleute von ihren rheumatischen Erkrankungen und ihrer Anfälligkeit für Erkältungskrankheiten geheilt wurden.
Die wissenschaftliche Untersuchung ergab, dass dieses Phänomen mit dem radonhaltigen Thermalwasser Gasteins zusammenhing und 1951 wurde der Heilwert des Stollens offiziell betätigt.
Schon 100 Jahre zuvor war Bad Gastein als Kurort bekannt, was auch an der negativ ionisierten Luft lag, welche durch die Zerstäubung des Wasserfalls, der mitten durch den Ort donnert, lag. Der österreichische Hofstaat und die Kulturprominenz Austrias gab sich ein Stelldichein, und der Ort blühte und gedieh.
DER HOTSPOT VON EINST
Unzählige Hotels wurden um die Jahrhundertwende errichtet und doch – der Tourismus änderte sich und heute ist von dem mondänen Leben der K&K-Zeit nichts übriggeblieben, außer einem gespenstisch anmutenden Dorf, das mehr und mehr verfällt, auch wenn ausländische Investoren dies vergeblich aufzuhalten suchen. Selbst die Kirche mitten im Ort ist wegen angeblich statischer Probleme „auf unbestimmte Zeit“ geschlossen.
Der acht Kilometer entfernte Heilstollen aber existiert weiter und verzeichnet pro Jahr 60.000 bis 80.000 „Einfahrten,“ die zum Teil von den Krankenkassen übernommen werden. Und es kommen auch wieder Touristen, die bleiben allerdings nicht in Bad Gastein, sondern im neun Kilometer entfernten Bad Hofgastein.
GESUNDHEITSBRUNNEN BAD GASTEIN
Diese lange Einführung war nötig, um zu verstehen, weshalb sich heute in Bad Hofgastein viele der Bewohner von Bad Gastein angesiedelt haben und warum dieser Ort gerade dabei ist, „in“ zu werden.
Das liegt zum einen an der Therme, die vom Wasser aus Bad Gastein gespeist wird und immer mehr in- und ausländische Gäste anzieht, zum anderen aber daran, dass es hier ein Hotel gibt, das seinesgleichen sucht: DAS.GOLDBERG. Der Punkt in der Mitte ist bewusst gesetzt und verweist wie weitere Sprachspielereien im Hotel darauf, dass die Familie Seer, welche das Haus 2013 als Natur-, Design- und Wellnesshotel eröffnete, spielerisch unterwegs ist und ein gutes Händchen für das Feine und Besondere hat.
Schon 100 Jahre zuvor hatten die Großeltern und Eltern hier einen Bauernhof samt Gastwirtschaft, der aber bald den Ansprüchen der nachkommenden Generation und denen der Gäste nicht mehr genügte. Aus diesem Grund steht hier heute eines der schönsten, interessantesten und harmonischsten 5*Hotels des Salzburger Landes, dessen Willkommenskultur man z.B. schon am Parkplatz spüren kann; denn anstelle von „Parken nur für Hotelgäste“ stehen hier elegante Hinweisschilder auf die Zimmerkategorie, die man gebucht hat und bei der man parken kann.
Der Name des Hauses wiederum ist eine Reminiszenz an vergangene Jahrhunderte, in denen hier im Gasteiner Tal der Goldbergbau eine bedeutende Rolle spielte.
Somit gibt es im DAS.GOLDBERG einen GOLD.STOLLEN, in dem man sich vom Alltagsstress regenerieren kann.
420 Tonnen Naturstein aus dem Zentralmassiv der Hohen Tauern wurden hier nach alter Tradition verbaut und man kann bei 42 Grad Wärme (erzeugt durch Erdwärme) Atemwege und Muskulatur entspannen und sich über eine schnelle Erholung freuen. Ein Tepidarium der Extraklasse, welches das Herzstück des SPA bildet, das mit verschiedenen Saunen, einem Schaumdampfbad, diversen Duschen und Ruheräumen sowie Whirl- und Innen- wie Infinity-Außenpool den Gast so gut verwöhnt, dass es schwerfällt, dieses Gesundheitsbrunnen, zu dem auch ein sehr großer Naturteich mit Cabanas gehört, wieder zu verlassen.
Es sei denn, man zieht sich zum Essen zurück, das als Frühstück, Nachmittagssnack und Gourmet-Abendmenü (sehr schön sind die Plätze an den bodentiefen Fenstern mit Blick auf Bad Hofgastein) angeboten wird.
Die Auswahl und Zubereitung erfolgt nach dem Prinzip des „Natural Taste“, d.h. strikte Regionalität (nur von Herstellern aus der Gegend) ist ein Muss. Dazu gibt es eine eigene Kaffeerösterei und eine hauseigene Brotmanufaktur.
EIN GESAMTKUNSTWERK FÜR DIE SINNE
Auf der Terrasse des Hotels mit Blick in die Berge zu frühstücken, gehört sicherlich zu den gesundmachenden Highlights des Hauses, das ich gerne als Gesamtkunstwerk bezeichnen möchte, denn die Einheit von großartigem Design, großzügigen Zimmern, Suiten und Lodges sowie liebevollem Personal führt letztlich zu einer Stärkung aller Sinne, so dass man jeden Tag, den man dort verbringt, als Geschenk ansehen darf.
Nichts wird oktroyiert, alles entwickelt sich seinem eigenen Rhythmus gemäß, und irgendwann versteht man, dass man Teil dieses Goldberges geworden ist, eines Schatzes, der nicht im Außen gefunden werden kann, sondern im Inneren mehr wird, je länger man ihn pflegt.
Direkt an der Bergbahn zur Schlossbergalm gelegen, lässt es sich hier bis zum Winter wunderbar wandern, in den kalten Monaten dann ist die Lage des Hauses für Ski-in-and-out ideal, zumal fast direkt an der Piste noch eine Bar eröffnet wird und ein DJ für Après-Ski Unterhaltung sorgt.
Fazit: Helmut Kohl kam fast jedes Jahr zur Kur nach Bad Hofgastein, (damals gab es aber DAS.GOLDBERG in seiner heutigen Form noch nicht), daran sollten sich manche Politiker, die noch nicht Großes erreicht haben, ein Beispiel nehmen …
Ein kleiner Tipp noch: Die „Turmsuite XL“ mit der Nummer 502 ist grandios, denn sie verfügt nicht nur über die Annehmlichkeiten und edlen Materialien der anderen Suiten, sondern zusätzlich über eine S/W Terrasse und ein eigens SPA-Haus auf derselben. Einfach himmlisch!
3) BREGENZER WALD (VORARLBERG): FUCHSEGG ECO LODGE
Auf 1060 Metern ü.d.M. findet sich ein kleiner Ort, der vor allem bei Anfängern im Skifahren und Wanderern beliebt, aber gleichzeitig darüber hinaus wenig bekannt ist. Schetteregg im Bregenzer Wald, ca 30 Autofahrminuten von Oberstaufen entfernt, ist ein winziger Weiler in der Gemeinde Egg, der aus zwei Skiliften, einigen Ferienhäusern, und zwei Hotels besteht. Eines davon ist die Fuchsegg Eco Lodge über die nun berichtet werden soll, denn selten habe ich mich in einem Refugium so wohlgefühlt wie hier.
Im Jahr 2000 eröffnet, haben Carmen und Kerim Can-Hämmerle auf 9000 m² eine Welt geschaffen, die beruhigender nicht sein kann, aber gleichzeitig ein Kraftort der ganz besonderen Art ist.
GEMEINSAMZEIT IN MODERNEN VORSÄß-HÄUSERN
Mit sechs, den traditionellen Vorsäß-Gebäuden der Gegend nachempfundenen Häusern (das sind Tennenartige Holzbauten), wurde hier etwas geschaffen, das unter dem Motto „Gemeinsamzeit“ genau das widerspiegelt, was es verspricht.
Deshalb wurde auch der Name „Fuchsegg“ gewählt, denn dieses Tier liebt Familie und ist gleichzeitig ein anpassungsfähiger Lebenskünstler.
Das Logo des Hauses, das sich überall findet, drückt auf minimalistische Weise aus, worum es geht. Es zeigt links oben zwei Wellen, rechts unten einen Kreis mit einem Mittelpunkt und dazwischen einen vertikalen Strich. Mit anderen Worten: Hier findet man die Balance zwischen Bewegung und Ruhe.
Und in der Tat: Die Holzbauweise erzeugt überall ein positives Raumklima, das man spürt, riecht und fast greifen kann. Die Betten von Samina tun das ihre, um den Gästen einen herrlichen Schlaf zu spendieren, und die „Sieben Kräuter“ Kopfkissen der Bregenzerwälder Manufaktur „Himmelgrün“ erzeugen einen beruhigenden Schlaf, der aber dennoch energetisiert, so dass man am Morgen vollkommen ausgeruht und voller Tatendrang aufwacht.
ENERGIETANKSTELLE
Die so erzeugte Energie setzt sich in jedem Bereich dieses so außergewöhnlichen Refugiums fort: Das spürt man bei der Ankunft, beim Check-in, in den Zimmern (es gibt sechs verschiedene Kategorien) ohnedies, in der Bibliothek, im Saunahaus mit seinem davor gelagerten 15 Meter Swimmingpool, in der Tenne, wo die Kinder spielen können.
Apropos Kinder: Eigentlich könnte man meinen, die Fuchsegg Eco Lodge sei ein klassisches „Adults Only“ Hotel. Weit gefehlt: Hier treffen sich Yoga-Gruppen, Hochzeiten finden statt, Familien mit Kindern sind willkommen ebenso wie Paare oder Gäste, die zufällig beim Wandern vorbeikommen und nur etwas trinken möchten.
Ein jeder fühlt sich wohl – und das merkt man auch. Irgendwie passt alles zusammen, wohl, weil dies ein Ort der Kraft ist, der keine Hierarchien kennt und an dem alle mehr als gut aufgehoben sind.
KOCHKUNSTBALANCE
Dürfen sie dann im Rahmen der Halbpension noch die Kochkunst des 45-jährigen, aus Brandenburg stammenden Chefkochs Niko Hirschbeck genießen, dann ist die Balance vollends gegeben. Er kocht übrigens meiner bescheidenen Meinung nach so hervorragend, dass er bald einen Michelin-Stern sein Eigen nennen dürfte.
Verwendet werden – nicht nur in der Küche – ausschließlich regionale Produkte, Hölzer, Steinplatten, Quellwasser etc., etc..
Dies merkt man nach spätestens einem Tag an sich selbst: Der Stress fällt ab, man wird eins mit der grandiosen und zugleich lieblichen Natur, sieht die Dinge von oben, erkennt, was wichtig ist und was nicht.
Selten habe ich eine so große Authentizität verspürt, die sich auf alle Bereiche des Fuchsegg erstreckt, vom liebevollen Personal bis zur vollendeten Ästhetik der einzelnen Lodge-Bereiche.
Wer hier neue Kraft tanken oder sein Leben neu ordnen will, wer Kultur genießen möchte (Schubertiade in Schwarzenberg, Bregenzer Festspiele), wer Holzbaukunst entdecken will oder wer eins mit der Natur zu werden versucht – wenn er die Fuchsegg Eco Lodge als Ausgangspunkt für diese innere und äußere Reise nimmt, wird er das, was er sucht, finden. Und er wird mit neuen, positiven Gedanken zurückkehren und sich fragen, warum er nicht schon früher hierhergekommen ist, zu dieser unvergleichlichen Quelle der Alpenkraft.
Fotos: PR, Green Luxury Hotel Pfösl, Marika Unterladstätter


