KRAFTQUELLE WASSER
Ohne Wasser kein Leben und keine Gesundheit! Was „SPA“ (Sanus Per Aquam) bedeutet, weiß man in der Schweiz seit jeher, und auch die wohltuende Umsetzung gelingt im „Wasserschloss Europas“ besonders gut.
Hier erfahren Sie mehr über
- Flussschwimmen in Bern
- Zwei Schweizer 5*-Hotels
- Wasser und Wein
Text Hans Christian Meiser

Dr. Hans Christian Meiser ist Philosoph und Publizist, zudem Herausgeber und Chefredakteur von PURPOSE, dem Magazin für Sinnhaftigkeit. Dieses Thema zieht sich durch sein gesamtes Werk.
Aufgrund ihres enormen Wasserreichtums wird die Schweiz oft als das „Wasserschloss Europas“ bezeichnet. Einige der wichtigsten Flüsse des Kontinents entspringen in den Schweizer Alpen und das Land beheimatet rund sechs Prozent der europäischen Süßwasserreserven, obwohl es nur 0,4 Prozent der Fläche Europas ausmacht.
Über 1500 Seen zählt die Schweiz. Die größten davon sind der Genfersee (geteilt mit Frankreich) und der Bodensee (geteilt mit Deutschland und Österreich). Sie dienen nicht nur als Ökosysteme, sondern auch als riesige Trinkwasserspeicher.
Die Schweizer Alpen beherbergen die größte Gletscherdichte Mitteleuropas. Durch die Veränderung des Klimas schmelzen diese Reserven jedoch rasant, was langfristig die Wasserführung der Flüsse im Sommer stark verändern wird.

WASSER IST DIE WICHTIGSTE ENERGIEQUELLE
Wasserkraft ist die wichtigste einheimische Quelle für die Stromproduktion in der Schweiz und somit für erneuerbare Energie. Rund 60 Prozent des Schweizer Stroms werden durch Wasserkraftwerke erzeugt. Über 680 Zentralen nutzen das Gefälle in den Bergen und Flüssen, darunter gigantische Speicherkraftwerke mit hohen Staumauern.
Das Leitungswasser in der Schweiz hat überall hervorragende Trinkwasserqualität und erfüllt strengste Kriterien. Man kann es bedenkenlos trinken.
Doch wie überall muss sich auch die Schweiz dem Thema Klimawandel widmen: Kürzere Winter und schneearme Perioden führen dazu, dass im Sommer weniger Schmelzwasser zur Verfügung steht. Regionale Wasserknappheit (besonders in der Landwirtschaft) wird somit auch in der Schweiz relevant.
Noch aber erfreut sich das Land seiner Kraftquelle, z.B. in der Hauptstadt.

BERN UND DAS AARESCHWIMMEN
Denkt man an ruhig dahingleitende Flüsse und die Faszination, die sie ausstrahlen, kommt man automatisch zum Thema „Slow-Mo Luxury“. Es bedeutet, dass gerade in der Ruhe, im Nichterleben („Wu wei“ würden die Taoisten sagen), der größte Luxus liegt.
In der Hauptstadt Bern zeigt sich das beim berühmten „Aareschwimmen“ – einem Lebensgefühl, das die Stadt prägt und die Natur selbstverständlich in den urbanen Alltag integriert. Der 288 Kilometer lange Fluss Aare ist die Lebensader von Bern. Hier hat sich seit einigen Jahren etwas etabliert, das es zwar anderenorts auch gibt, aber nicht in diesem Ausmaß. Denn es hat sich eingebürgert, dass viele Bürger, die zur Arbeit gehen, dies nicht mit dem Auto oder zu Fuß tun, sondern dorthin schwimmen – sofern sie links oder rechts der Halbinsel arbeiten, die von der Aare umschlungen wird.
Diese kulturelle Tradition ist mittlerweile sogar Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Die große Aareschlaufe ist etwa 7,5 Kilometer lang und das Schwimmen in ihr funktioniert so: Alle 100 Meter gibt es auf beiden Seiten des Flusses Ein- bzw. Ausstiegsstellen. Seine Kleidung und seine Wertsachen sowie ein Handtuch packt man in einen wasserdichten Sack, den man auch als schwimmende Boje nutzen kann, d.h. man hält sich an ihm fest und lässt sich von der Strömung flussabwärts treiben. Ein herrliches Gefühl, nicht nur, wenn man an seinem Ziel angekommen ist!
Vielleicht ist das der Grund, weshalb die Berner Bürger so tiefenentspannt scheinen, so ganz anders als in Zürich. Mir fiel auf, dass das einst in Bonn auch so war. Und daraus schließe ich, dass es einer Hauptstadt besser bekommt, in einer Provinzstadt angesiedelt zu sein als in einer, die mehrere Millionen Einwohner hat. Wäre Zürich die Hauptstadt der Schweiz und nicht Bern, so hätte sich die Schweiz vermutlich gänzlich anderes entwickelt. Was das für das Verhältnis Bonn – Berlin aussagt, kann man erahnen.
BELLE ÉPOCHE ENTSPANNUNG IM SCHWEIZERHOF
Ich wohnte übrigens im Fünf-Sterne Hotel Schweizerhof Bern & Spa, das, gleich gegenüber dem Bahnhof gelegen, der ideale Ausgangspunkt ist, Bern zwischen historischer Altstadt (Zytglogge), Flusskultur (unbedingt mittags in der „Dampfzentrale“ direkt am Fluss speisen) und alpiner Kulisse zu erleben.
Das 1859 eröffnete Haus gehört heute zur „Bürgenstock Collection“, die es sich u.a. zur Aufgabe gemacht hat, die Grandhotels der Jahrhundertwende zu retten und sie für die nächsten Generationen von Kunden attraktiv zu gestalten – in diesem Fall z.B. durch die großartige „Sky Terrace“, auf der man vorzüglich isst, und dabei Jungfrau, Mönch und Eiger bedauert, weil sie ihr eisiges und steiniges Gewand nicht ablegen können, um die Köstlichkeiten des Küchenchefs Manuel Bänziger genießen zu können, die es übrigens in anderer Komposition auch im Erdgeschoß, in „Jack’s Brasserie“ zu versuchen gibt.
Besonders spannend: die Messingschilder an den Lederbänken, die davon berichten, welche Prominenten hier schon speisten, von Fürst Rainer von Monaco bis zu Ella Fitzgerald.

Egal aber, ob oben oder unten: Man wird es nicht bereuen – im Gegenteil. Und wenn man noch erfährt, dass Albert Einstein von 1902 bis 1909 in Bern lebt und in dieser Zeit seine bahnbrechenden physikalischen Theorien formulierte, dann liegt die Vermutung nahe, die Erkenntnis, dass Uhren je nach Standort unterschiedlich laufen, könnte er in Zytglogge gehabt haben. Denn da die berühmte Uhr aus dem Jahr 1530 in diesem historischen Bauwerk sieben Meter über dem Erdboden steht, geht sie gegenüber einer auf der Erde stehenden Uhr etwas schneller. Die Grundlage der Relativitätstheorie könnte also in Bern geboren worden sein …
Diese Stadt lebt seit jeher mit dem Wasser, bzw. ohne Wasser wäre Bern nie das geworden, was es heute ist: Aareschlaufe, Aareschwimmen, über 100 Brunnen mit Trinkwasser, Stadtbach und eine Altstadt, deren Geschichte eng mit dem Wasser verbunden ist, zeugen davon, dass sich das kostbare Gut nicht nur auf den Körper, sondern auch auf Seele und Geist positiv auswirkt. Ähnliches gilt auch für die nächste Station meiner Reise.
LAUSANNE UND DAS ROYAL SAVOY
Wenn die ca. 1,5-stündige Zugfahrt zum Genfer See die ersten Blicke auf denselben freigibt, ist man ob der mediterranen Fülle begeistert und weiß sich in der französischen Schweiz angekommen. Steile Weinhänge auf der einen Uferseite, Frankreichs bergige Küste auf der anderen mit der berühmten Stadt des Wassers Évian-les-Bains gegenüber von Lausanne, all das zeigt, wie sehr das Thema H2O auch diesen Teil der Welt bzw. der Schweiz dominiert.
Lausanne selbst steht für die ruhige Eleganz des Genfersees – vom Wasser ebenso wie vom Ufer aus. Nicht umsonst haben hier das IOC, das International Olympic Committee, sowie die renommierteste Hotelfachschule der Welt, die 1893 gegründete „École hôtelière de Lausanne“ (heute: „EHL Hospitality Business School“) ihren Sitz. Das Fünf-Sterne Royal Savoy Hotel & Spa Lausanne im Belle Époche Stil von 1909 verbindet diese Atmosphäre mit exzellenter Kulinarik, urbanem Luxus und einem der schönsten City-Spas der Schweiz.
Leider liegt das Haus nicht direkt am See, sondern etwas 300 Meter von ihm entfernt, aber von manchen Südwest-Zimmern aus kann man ihn zumindest stückweise erkennen. Und natürlich gibt es auch hier eine grandiose Dachterrasse. Im „Sky Rooftop“ (oder auch der in der „Sky Lounge“) wird Cucina italiana vom Feinsten serviert, natürlich mit leichtem französischem Hauch, was das Ganze noch schöner macht.
Hierfür ist Paolo Principe zuständig, während im Erdgeschoß und auf der Terrasse, in der „Brasserie du Royal“ Küchenchef Nicolas Diegues sein Können zeigt. Der moderne Anbau dahinter, in dem sich auch das Spa befindet, steht zwar im krassen Gegensatz zum historischen Gebäude, verleiht dem gesamten Ensemble aber gerade dadurch das gewisse Etwas.

SAVOIR-VIVRE MIT WASSER UND WEIN
Lausanne lebt das Savoir-Vivre mit dem Wasser vor sich: Genfersee, Ouchy, SUP, Schiffe, kleine Badestrände am oder Holzinseln im See. Auch ein Ausflug in das Weinbaugebiet Lavaux (etwa 25 Minuten vom Hotel entfernt) passt wunderbar dazu: Der See ist hier nicht nur Kulisse, sondern Teil des Terroirs. Seine Reflexion bildet eine der berühmten „drei Sonnen von Lavaux“ (die beiden anderen sind die, die gerade scheint, und jene, die von den Steinmauern absorbiert wird) – der Genfersee lässt sich beim Wine-Tasting also gewissermaßen mitverkosten.
Besonders spannend fand ich die „Domaine Bovy“, die seit 1779 existiert. Hier lesen (mit der Hand!) und keltern die Gebrüder Bertrand und Eric Bovy in vierter Generation jene Trauben, die man dann in flüssiger Form zu sich nehmen kann: St-Saphorin, Vieilles Vignes, Viognier, Meretrix, Chorus oder Merlot „Reverentia“ nennen sich einige der edlen Tropfen, von denen meist nicht mehr als 1000 Flaschen (fast Sulfit frei) hergestellt werden. Ein Winetasting auf der Terrasse inmitten der Weinberge mit Blick auf den Lac Léman wirkt ebenso befreiend wie das Erleben der Spa-Vinotherapy, bei der man in einer Badewanne gefüllt mit Rotwein liegt. Das erlebt man nicht alle Tage!
An Bord eines Belle-Époche-Raddampfers geht es dann von Rivaz-St-Saphorin nach Lausanne-Ouchy und spätestens, wenn man ausgestiegen ist, weiß man, dass alles, was man zum Glücklichsein braucht, die Natur selbst bietet.
In Bern und Lausanne vereinen die beiden genannten Häuser Kulinarik, Wellness und kulturelle Verankerung auf zeitgemäße Weise und bieten gleichzeitig die perfekte Lage, die Städte authentisch zu entdecken: „Urban Wellness und City Spas in Grand Hotel City Escapes“ würden Marketingexperten jetzt sagen. Übersetzt heißt das: Tradition und Moderne haben hier auf perfekte Weise zusammengefunden und man kann sich auf seinen Urlaub freuen. Mangeln wird es einem an nichts. Dafür sorgt schon die Kraftquelle Wasser an diesen Orten.
Fotos: Schweizerhof Bern & Spa, Royal Savoy Lausanne, iStock, Privat


